Mit diesem Newsletter wollen wir einen virtuellen, selbstverwalteten Projektraum in die Welt setzen, um Beobachtungen, Kritik, Aufrufe, Manifestationen zu teilen, uns mit anderen gesellschaftlichen Initiativen zu vernetzen und gemeinsam gegen autoritäre Politiken widerständig zu sein. 

CC_Critical Communication gibt heterogenen Erfahrungen, Gedanken und Werken von Künstler*innen und Kulturschaffenden eine Stimme. Er stemmt sich gegen eine Bedrohung der Kunst-Freiheit, wie sie heute auch in Deutschland von einem autoritären Staatsverständnis forciert wird und mit rasender Geschwindigkeit voranschreitet. Wir mussten beobachten, dass es nur ein kleiner Schritt ist von einer Kriminalisierung der Solidarität mit Palästinenser*innen hin zum Extremismus-Vorwurf gegen bestimmte Positionen in der kulturellen Produktion. 

Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir bestehen darauf, öffentlichen Raum zu schaffen und zu behaupten. Öffentlichkeit ist der Raum widersprüchlicher Interessen. Sie erfordert kulturelle Ausdrucksformen, um Konflikte zu benennen und zu verhandeln.

Wenn Sie sich mit einem Beitrag als Künstler*in, Autor*in, Aktivist*in oder Gruppe beteiligen möchten, kontaktieren Sie uns bitte:
criticalcommunication@posteo.net

This newsletter is a virtual and autonomous project space for sharing criticism, calls to action, and artworks with the goal of joining forces with other initiatives to resist the authoritarian turn.

CC_Critical Communication gives voice to heterogenous experiences, thoughts, and works of individual artists and art workers. It stands in opposition to the current threat against art’s freedom, a threat that today, in Germany, is driven by an authoritarian concept of state and progressing at breakneck speed. We’ve seen that it’s just a short step from criminalizing compassion for the Palestinian plight to labeling certain positions in cultural production as “extremist”—and erasing them. 

We refuse to be intimidated; we insist on claiming and defending public space. It’s where we create our work. And because the public sphere is a zone of conflicting interests, it requires cultural expression to name, articulate, and negotiate these conflicts. 

If you’d like to contribute as an artist, author, activist, or group, contact us at:
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  • Newsletter 04

    ROMANTICISM_FASCISM
    Katharina Karrenberg

    Der Antrag der AfD-Fraktion Sachsen-Anhalt, ­ Drucksache 8/7118 wurde am 25.06.2026 im Landtag Sachsen-Anhalt als grundgesetzwidrig und als Gesinnungskontrolle abgelehnt. Der Antrag stellt eine lauernde Bedrohung künstlerischer Selbstbestimmung dar.

    Die Überschrift des AfD-Antrags lautet:

    Bekenntnis zu Staat, Demokratie und deutscher Kultur als Voraussetzung staatlicher Kulturförderung. Der Schlusssatz lautet: Bei Verstößen gegen die abgegebene Erklärung sollen Fördermittel versagt, widerrufen oder zurückgefordert werden können.

    Meine Fragen:

    „Phantombesitz“––„entfesselte Eigentumslogik“ (v. Redecker)––Diebstahl Fantasma––der Grosse Austausch––patriotische Kulturpolitik––rechte Hetzreden sind einige Stichpunkte in dieser bildnerischen Recheche zur Deutschen Romantik.

    • Welche Anschluss-Mythen gibt es in Werken der deutschen Romantik, die sowohl Hitler als auch jetzt wieder von Hans-Thomas Tillschneider, Vizepräsident der AfD in Sachsen-Anhalt, mit seinem Regierungsprogramm und dem o.a. Antrag, dazu animierten, die Romantiker als Deutsche Kunst glühend  zu verehren?
    • Gibt es in der deutschen Romantik von der Kunstgeschichte ausgeblendete Bild-und Kompositions-Formeln für Faschismen des 20. und 21. Jahrhunderts?
    • Welche Voraussetzungen finden sich in Werken der Romantiker, die heute dazu beitragen, dass #Deutschdenken, Nationalismus, Autoritarismus, Judenhass, Rassismus etc. zu Anträgen auf repressive Grundgesetzänderungen im Kulturbereich führen?

    Ich untersuche einige Gemälde und ein Gedicht zu diesen Fragen. Meine These dazu lautet: die rebellischen geistigen Freiheitsbewegungen deutscher Früh-Romantiker wandeln sich ab 1806 – Gründungstag der Preußischen Monarchie ist der 18.01.1811 – grundlegend: der Geist des eben konstruierten deutschen Nationalismus wird zum ideologischen Handlanger der preußischen Krone und eignet sich bestens – mit der Sehnsucht des „Volkes“ nach dem „einig Vaterland“ und der starken Hand eines mittelalterlich verklärten absolutistischen Herrschers – zur Vorbereitung auf den Nationalsozialismus. Die heute nach wie vor kolonial-rassistischen Ausbeutungsverhältnisse im Kapitalismus und der Rassismus der AfD, ihr Hass, ihr Völkischer Nationalismus, ihr Ethnopluralismus, Remigration und der Ruf nach (Konzentrations-) Lagern für Geflüchtete gehen Hand in Hand mit verkannten Mikropolitiken des Faschismus in den eigenen Reihen: faschistische Mikropolitiken sind im Kunstsystem tief verwurzelt. Hierarchische, neoliberale Marktstrukturen, Genie- und Eliteprinzip, Reinheitsfantasien, Konkurrenz, Individualisierung und Partikularisierung, Ausschluss kritischer Stör-Faktoren, Ausblendung von Menschheitsverbrechen – kurz: die“ Produktion kapitalistischer Subjektivität“ (Suely Rolnik) beherrschen Jurys, Institutionen, Mainstream-Kunstdiskurse sowie die  darauf aufbauenden Bewertungssysteme mit ihren Folgen für die betroffenen Menschen, die Kunstgeschichte, Geschichtsschreibung etc. Das Kunstsystem selbst arbeitet an Mikropolitiken* des Faschismus. *Deleuze, Guattari, Damian Lentini

    Nationalromantik und Datenverarbeitung:

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    Nationalromantik und Datenverarbeitung

    Mit der Erfindung der ersten Lochkarten 1725–1728 durch Basile Bouchon und Jean-Baptiste Falcon, sowie dem massenhaften Einsatz der Jacquard Webmaschinen ab 1812 zeigt sich die tiefe Spaltung des Industriezeitalters in seinen extremen Formen: Hungerlöhne,Verelendung, Aufstände und liberaler Freiheitsgeist in literarisch-antisemitischen und frauenfeindlichen Zirkeln.

    Während Bauern und Weber um ihre Existenz und den Verlust ihres beruflichen know-hows, ihrer Menschenwürde und ihrer Sichtbarkeit kämpften, sowie gegen Ausbeutung, Bürokratisierung und technische Effizienz – verkörpert in den Frühformen automatisierter Datenverarbeitung und mechanischer Rechentechnik, (im 19. Jahrhundert wurden Jacquard- und Hollerith-Rechensysteme für industrielle, administrative und polizeiliche, für frühe Eugenik und kriminalstatistische Zwecke entwickelt) –– entstand im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert ein Romantischer Nationalismus, ein „organischer Nationalismus“, eine  emotionale, schwärmerische Naturverbundenheit, die Ablehnung der „reinen Vernunft“,  die Feier des „Erhabenen“ und Mystischen und der „Volksgeist“ als Gegenbewegung zur Aufklärung und zu den napoleonischen Kriegen. Die Ablehnung der Aufklärung verband sich mit der Wut auf die kalte, mechanische Logik der Informationdurch das Stanzen von Löchern in genormte Papierkarten, die mechanisch oder elektrisch lesbar gespeichert und maschinell ausgewertet werden.

    Beide Phänomene sind Antworten auf die Herausforderungen der Moderne und der Industrialisierung. Der romantische Nationalismus versuchte, den emotionalen Halt in einer sich auflösenden Welt zu wahren, während das Lochkartensystem half, die wachsenden Nationalstaaten und Industriegesellschaften administrativ zu organisieren… Der moderne Nationalstaat benötigte exakte Daten über seine Bevölkerung (Volkszählungen, Steuern, Wehrfähigkeit). Das Lochkartensystem wurde so zu einem Werkzeug, um die Idee des geeinten, zählbaren Staatsvolkes praktisch zu verwalten. Wikipedia

     Die Lochkartensysteme entwickelten sich zu Digitalisierungssystemen, die als neofeudales, rassistisches Eliten- und Führungsprinzip mit Donald Trump an der Spitze in Synergie mit  faschistischer Politik stehen.

    Meine Fragen in diesem Zusammenhang gehen weiter: Wie kommt es zum breiten, öffentlichen Zuspruch nationaler Mythen und zum Umschlagen bürgerlich-individueller Freiheits-Begeisterung in die Lust an Verrohung, Gewalt und Zerstörung ? Ist diese Begeisterung allein aus sozialer Krise, politischer Gewalt und autoritärer Ideologie zu erklären? Welche Rolle spielen dabei Begriffe und Bilder der „Freiheit“ bei C D Friedrich und in der aktuellen Kulturpolitik??

    Die Deutsche (intellektuelle und künstlerische) Romantik brachte in diesem Zusammenhang Werke hervor, die auf spätere faschistische Verirrungen wie ein Sog in einem Flächenbrand wirkten und wirken. Novalis, Ernst Moritz Arndt, Heinrich von Kleist, Achim von Arnim, Adam Müller, Clemens Brentano, Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Schleiermacher sind Vertreter einer u. a. bellizistischen Romantik, die gerne als romantisierte und gleichzeitig reale Gegenbewegung zur Aufklärung und zur Industrialisierung das Gefühl, die Fantasie und das Individuum in den Mittelpunkt stellt. Lese ich jedoch die Werke der oben genannten Autoren genauer, so stelle ich erstaunliche Anschlussmöglichkeiten zu Judenverachtung und zu rassistischen Kampf- und Kulturpolitiken, Heldenverehrung und Todesmut faschistischer Regime fest. Hierzu nur 2 Beispiele – andere Texte aus dieser Zeit finden Sie weiter unten Achim von Arnims Judenhass-Rede vor der Deutschen Tischgesellschaft,1822:

    • Akkulturierte Juden könne man nicht mehr erkennen; ein Lösungsvorschlag Achim von Arnims ist die Verpflichtung zum Tragen bestimmter Abzeichen auf der Kleidung.
    • Als makabren Höhepunkt präsentiert er eine „brutal-sadistische Groteske“, eine Satire über chemische Experimente zur Zerlegung und Sezierung des menschlichen jüdischen Körpers. Arnim bezweckt damit eine „Ent-Ähnlichung“ von Juden und Deutschen für die „Herstellung (ethnischer und nationaler) Homogenität…“ (Jakob Ole Lenz)

    Ernst Jünger nimmt 1922 in seinem Essay „Der Kampf als inneres Erlebnis“ – das romantische Motiv des frühen 19. Jahrhunderts wieder auf. Zugrunde liegt zunächst eine idealistisch-schwärmerische, deutschtümelnde Verklärung des Mittelalters mit dem guten Herrscher und den fleissigen Untertanen in alt-deutscher Tracht (Figuren bei Caspar David Friedrich), das Credo des „heimlichen Juden“ und der „jüdischen Finanzelite“ (v Arnim, Brentano), der Ausschluss von Juden und Frauen aus intellektuellen Zirkeln wie der „Deutschen Tischgesellschaft“, später dann heroische Heldenhaftigkeit (CDF), Kriegstreiberei (v Kleist, Arndt), Heldenverehrung (CDF), Todeskult und ein möglicherweise darwinistisch-mystisches Naturverständnis in der Nähe des Okkultismus (Böcklin). Ab ca 1808 richtet sich die Bewegung gegen die napoleonische Herrschaft – von Anfang an war sie aber eine restaurative, antiaufklärerische, intellektuellen-feindliche, gefühlsbetonte Ausschluss-Bewegung. Im blutrünstigem Rachegesang Heinrich von Kleists werden Strömungen sichtbar, die den deutschen Faschismus vorbereiten. Caspar David Friedrichs und Arnold Böcklins Werke waren Favoriten Adolf Hitler‘s und ihre Gemälde wurdenvon ihm angekauft und gesammelt. In diesen Bildern vereinen sich Mythen und Weltbilder, die nicht nur von Hitler und seinem Raubkunst-Sammler Gurlitt, sondern auch von Hans Thomas Tillschneider, dem kulturpolitischen Sprecher, gleichzeitigen Fraktionsvorsitzenden der AfD und pervertierten Kopf des sog. „Regierungsprogramms der AfD“ instrumentalisiert wurden und werden. In den kulturellen Zeugnissen und Institutionen der Romantiker zeichnet sich eine Kontinuität autoritärer Herrschaftsgläubigkeit über mehrere Stufen und Jahrhunderte hinweg ab, deren Kipppunkte in die tatsächliche Verrohung unmenschlicher Grausamkeit mir aber bis jetzt unerklärlich bleiben. Die Gefühle der Einsamkeit und Verlorenheit, schwärmerische Natur-Sehnsucht, nationale Befreiungs-Sehnsucht, männlicher Heroismus und deutsch-elitäre Vorherrschaftsmythen, Todes- und Heldenverehrung schon der Früh-Romantiker lassen sich für völkisch-nationale Ideologien vereinnahmen. Erst recht ein Bild wie die Toteninsel von 1880. Arnold Böcklin gilt seit seiner Ausstellung 1875 in Berlin als der Inbegriff deutscher Kunst, wird als Geniekult-Figur vom Bürgertum verehrt und von der unter Reichskanzler Bismarck 1876 / 78 verbotenen SAP– der Sozialistischen Arbeiterpartei – als mystizistisch und symbolistisch bekämpft. Sind Romantiker, Mystiker, Esoteriker bereits völkisch oder kurz davor? Wissen sie, was sie tun? Wie kann das westliche Kunstsystem von seinen elitären Dogmen befreit werden? Sichtbarer Ausdruck der Instrumentalisierung romantischer Malerei sind Tillschneiders Hetz-Reden im Bundestag und sein Antrag für die Bewilligung eines jährlich wiederkehrenden Stipendiums für Deutsche Malerei, (das zum Glück von anderen Parteien noch abgewendet werden konnte – wer weiss wie lange noch). Seine Hetzreden plädieren u. a. für Deutschland als Land der Romantik, für Novalis*, #deutschdenken, patriotische, Deutsche Malerei, gegen „die gehirnlosen, feigen, kompetenzlosen Gesinnungssoldaten des Regenbogen-Imperialismus“ etc. und argumentieren mit faschistischen Kampfbegriffen. Einen Teil ähnlicher Kampfbegriffe, die von Rechtsextremen benutzt werden, habe ich nun meinerseits für die Umformung des Vaterlandsgedichts von Ernst Moritz Arndt (1822) verwendet und als „faschistische Gesetzestafeln“ unter die erweiterte Fassung des Friedrich’schen Gemäldes „Wanderer über dem Nebelmeer“ montiert. Einer der Hintergründe, die mich zu einer Revision meines eigenen Romantik-Bildes geleitet haben, war das kürzliche Auftauchen von Original-Schriften der „Deutschen Tischgesellschaft“ (1808-1832). In den Protokollen sind die judenfeindlichen, rassistischen Pamphlete von Achim von Arnim und Clemens Brentano zu lesen, die den Blick auf die „unschuldige Freiheits-Sehnsucht“ der Romantiker ins Bodenlose verstören.

    Arnold Böcklin: TOTENINSEL, 1883
    Katharina Karrenberg: FELDPOST FÜR DIE FRONTSOLDATEN.
    Digitalmontage mit einem Foto des Holocaust-Denkmals, Berlin. 2026
    Dedicated to Adolf Hitler, der 1936 die 3. Version der Toteninsel für die Reichskanzlei ankaufte und dedicated to Holocaust-Verharmloser Björn Höcke

    ZUM HEROISMUS VON HELDEN- UND TOTENKULT-VEREHRUNG IM DEUTSCHEN NATIONALSTAAT

    AN DIE DEUTSCHE NATION
    Zitate aus Johann Gottlieb Fichtes Reden an die deutsche Nation, 1808 – eine geistige Grundlage für den deutschen Nationalismus
    Das deutsche Volk ist durch seine Geschichte dazu prädestiniert, eine geistige Führungsrolle einzunehmen
    Das deutsche Volk ist das Urvolk der Neuzeit, von dem die anderen Nationen germanischer Abstammung sich schon früh abgespalten haben.

    Von ihm geht eine besondere schöpferische Kraft aus.

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    Von ihm geht eine besondere schöpferische Kraft aus.
    ,…so seid unter allen neuren Völkern ihr es, in denen der Keim der menschlichen Vervollkommnung am entschiedensten liegt und denen der Vorschritt in der Entwicklung derselben aufgetragen ist. Gehet ihr in dieser eurer Wesenheit zugrunde, so gehet mit euch zugleich alle Hoffnung des gesamten Menschengeschlechts auf Rettung aus der Tiefe seiner Übel zugrunde.
    Dazu Volker Demut, 2026:

    „Die nationalistische, identitätsmystischeGrundstimmung neuzeitlicher Staatsgebilde, die Johann Gottlieb Fichte in  Deutschland feinfühlig erfasste, zeigt spätestens beim preussischen Militärwissenschaftler Carl von Clausewitz ihre militante Seite. Clausewitz nämlich sieht den Krieg „in seiner absoluten Vollkommenheit“ genau dann verwirklicht, wenn er “ zur Sache des ganzen Volkes“ wird und nicht nur Angelegenheit einer Regierung oder Machtelite ist. …“

    Caspar David Friedrich: DER WANDERER ÜBER DEM NEBELMEER, 1818
    Katharina Karrenberg: VÖLKER OHNE RÄUME.
    Digitalmontage mit Detail-Foto einer Wandbohrung von 1992 in einer
    Dependance der Barbara-Weiss-Galerie im ehemaligen Ost-Berlin, 1992, 2026
    Katharina Karrenberg: Gesetzestafeln für Deutschland, 2026
    Digitalmontage mit etwas verändertem Ernst Moritz Arndt-Gedicht zum Deutschen Vaterland

    Ernst Moritz Arndt, 1813:

    Was ist des Deutschen Vaterland?
    Ist’s Preußenland, ist’s Schwabenland?
    Ist’s, wo am Rhein die Rebe blüht?
    Ist’s, wo am Belt die Möwe zieht?
    O nein! nein! nein!
    Sein Vaterland muß größer sein.

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    Was ist des Deutschen Vaterland?
    Ist’s Bayerland, ist’s Steierland?
    Ist’s, wo des Marsen Rind sich streckt?
    Ist’s, wo der Märker Eisen reckt?
    O nein! nein! nein!
    Sein Vaterland muß größer sein.

    Was ist des Deutschen Vaterland?
    Ist’s Pommerland, Westfalenland?
    Ist’s, wo der Sand der Dünen weht?
    Ist’s, wo die Donau brausend geht?
    O nein! nein! nein!
    Sein Vaterland muß größer sein.

    Was ist des Deutschen Vaterland?
    So nenne mir das große Land!
    Ist’s Land der Schweizer? Ist’s Tirol?
    Das Land und Volk gefiel mir wohl;
    Doch nein! nein! nein!
    Sein Vaterland muß größer sein.

    Was ist des Deutschen Vaterland?
    So nenne mir das große Land!
    Gewiß es ist das Österreich,
    An Ehren und an Siegen reich?
    O nein! nein! nein!
    Sein Vaterland muß größer sein.

    Was ist des Deutschen Vaterland?
    So nenne mir das große Land!
    So weit die deutsche Zunge klingt
    Und Gott im Himmel Lieder singt,
    Das soll es sein!
    Das, wackrer Deutscher, nenne dein!

    Das ist des Deutschen Vaterland,
    Wo Eide schwört der Druck der Hand,
    Wo Treue hell vom Auge blitzt
    Und Liebe warm im Herzen sitzt –
    Das soll es sein!
    Das, wackrer Deutscher, nenne dein!

    Das ist des Deutschen Vaterland,
    Wo Zorn vertilgt den welschen Tand,
    Wo jeder Franzmann heißet Feind,
    Wo jeder Deutsche heißet Freund –
    Das soll es sein!
    Das ganze Deutschland soll es sein!

    Das ganze Deutschland soll es sein!
    O Gott vom Himmel sieh darein
    Und gib uns rechten deutschen Mut,
    Daß wir es lieben treu und gut.
    Das soll es sein!
    Das ganze Deutschland soll es sein!

    Caspar David Friedrich: Frau vor Sonnenaufgang im Gebirge, 1818
    Katharina Karrenberg: RADICAL UNIVERSALISM, 2026
    Digitalmontage / Verdoppelung mit Walter Benjamin und Omri Boehm

    NOVALIS
    Die Christenheit oder Europa
    Ein Fragment (1799)
    Es waren schöne glänzende Zeiten, wo Europa ein christliches Land war, wo Eine Christenheit diesen menschlich gestalteten Welttheil bewohnte; Ein großes gemeinschaftliches Interesse verband die entlegensten Provinzen dieses weiten geistlichen Reichs. – Ohne große weltliche Besitzthümer lenkte und vereinigte EinOberhaupt, die großen politischen Kräfte. – Eine zahlreiche Zunft zu der jedermann den Zutritt hatte, stand unmittelbar unter demselben und vollführte seine Winke und strebte mit Eifer seine wohlthätige Macht zu befestigen.

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    Jedes Glied dieser Gesellschaft wurde allenthalben geehrt, und wenn die gemeinen Leute Trost oder Hülfe, Schutz oder Rath bei ihm suchten, und gerne dafür seine mannigfaltigen Bedürfnisse reichlich versorgten, so fand es auch bei den Mächtigeren Schutz, Ansehn und Gehör, und alle pflegten diese auserwählten, mit wunderbaren Kräften ausgerüsteten Männer, wie Kinder des Himmels, deren Gegenwart und Zuneigung mannigfachen Segen verbreitete. Kindliches Zutrauen knüpfte die Menschen an ihre Verkündigungen. – Wie heiter konnte jedermann sein irdisches Tagewerk vollbringen, da ihm durch diese heilige Menschen eine sichere Zukunft bereitet, und jeder Fehltritt durch sie vergeben, jede mißfarbige Stelle des Lebens durch sie ausgelöscht, und geklärt wurde. Sie waren die erfahrnen Steuerleute auf dem großen unbekannten Meere, in deren Obhut man alle Stürme geringschätzen, und zuversichtlich auf eine sichre Gelangung und Landung an der Küste der eigentlichen vaterländischen Welt rechnen durfte.

    Die wildesten, gefräßigsten Neigungen mußten der Ehrfurcht und dem Gehorsam gegen ihre Worte weichen. Friede ging von ihnen aus. – Sie predigten nichts als Liebe zu der heiligen, wunderschönen Frau der Christenheit, die mit göttlichen Kräften versehen, jeden Gläubigen aus den schrecklichsten Gefahren zu retten bereit war… etc etc

    Caspar David Friedrich: MONDAUFGANG AM MEER
    Katharina Karrenberg: „SIE SPRUDELT NOCH, DIE QUELLE UNS’RER GRÖSSE“, 2026
    Digitalmontage mit einer Zeichnungs-Serie von Immigrant:innen, die 2008 aus dem
    Mittelmeer an Land gingen. Teil der R_A_U_S_CH_PASSAGE, 2008

    IFK / Katharina Krčal
    DAS UNHEIMLICHE DES „HEIMLICHEN JUDEN“ – ACHIM VON ARNIMS REDE
    „UEBER DIE KENNZEICHEN DES JUDENTHUMS“
    Der spätromantische deutsche Schriftsteller Achim von Arnim hält 1811 eine Rede, in deren Struktur nicht nur antijüdische Stereotype eingebaut sind, sondern auch bereits rassistisch begründete Antisemitismen. Katharina Krčal spricht in ihrem Vortrag über frühe Zuschreibungen eines „heimlichen Juden“, über dessen „Gefährlichkeit“ und zeitgleich Anklagen seiner mangelnden Assimilationsfähigkeit. 

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    1811 hielt Achim von Arnim im von Franzosen okkupierten Berlin vor der christlich-deutschen Tischgesellschaft eine Rede unter dem Titel „Ueber die Kennzeichen des Judenthums“. Arnim entwickelt in seiner satirischen Rede ein Bedrohungsszenario: Er stellt seine Zuhörerschaft vor die Frage, was passieren würde, wenn es den bislang von der Gesellschaft ausgeschlossenen Juden gelänge, die Positionen der christlichen Mitglieder einzunehmen. Dabei bedient sich Arnim antijüdischer Stereotype theologischer Prägung, der Text weist außerdem bereits auf den rassistisch grundierten Antisemitismus des späten 19.Jahrhunderts voraus. In ihrem Vortrag zeigt Katharina Krčal, wie beide Formen der Judenfeindschaftineinandergreifen, wobei an ihrem Kreuzungspunkt im Text die Figur des „heimlichen Juden“ auftaucht, dessen „Gefährlichkeit“ für Arnim vor allem in der ihm zugeschriebenen Fähigkeit liegt, sein Judentum zu verbergen. In Verbindung mit den seit der Aufklärung stets wiederkehrenden Assimilationsforderungen bildet sich so ein spezifischer Double Bind aus, mit dem sich Juden und Jüdinnen konfrontiert sehen: Sie werden aufgefordert, sich anzupassen, tun sie das, so wird ihnen aber vorgeworfen, sich einzuschleichen.

    Arnim entwickelt damit bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts eines der Hauptargumente des modernen Antisemitismus.

    Caspar David Friedrich: DER MÖNCH AM MEER, 1810
    Katharina Karrenberg: BLACK HIJAB WOMAN LOOKING AT THE MONK BY THE SEE
    Digitalmontage, 2026

    Die DEUTSCHE TISCHGESELLSCHAFT 1811-1834
    Ludwig Achim von Arnim gründete die Deutsche Tischgesellschaft Anfang 1811 als exklusive Vereinigung in Berlin. Sie brachte Künstler und Wissenschaftler, führende Vertreter des Adels und Bürgertums, Spitzenbeamte und Militärs erst im „Casino“ in der Behrenstraße, später in der Börsenhalle zusammen. Unter den Mitgliedern waren der Dichter Clemens Brentano, der Philosoph Johann Gottlieb Fichte, der Staatstheoretiker Adam Müller, der Rechtshistoriker Friedrich von Savigny, der Architekt Karl Friedrich Schinkel und der Theologe Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, ebenso der Kriegstheoretiker und spätere Generalmajor Carl von Clausewitz. Frauen und jüdische Bürger waren, anders als in anderen romantischen Salons, nicht zugelassen. Entsprechend sind die Protokolle der Deutschen Tischgesellschaft ein wichtiges Dokument zur kritischen Aufarbeitung der Geschichte des Antisemitismus und der Geschlechterpolitik im 19. Jahrhundert.

    Caspar David Friedrich: DER MÖNCH AM MEER, 1810
    Katharina Karrenberg: RUINENSEHNSUCHT, 2026.
    Digital-Montage mit 10-teiliger Punkt-Zeichnung der World Trade Center-Ruine, Detail der R_A_U_S_CH_PASSAGE von 2014
    Über die Annexion des Absoluten – des romantischen Erhabenen – durch islamistische Terroristen

    Romantik und Volksgemeinschaft
    Ralf Klausnitzers. Literaturkritik .
    „Wir deuten die nationalsozialistische Revolution als die Erhebung des deutschen Gemüts gegen die Willkür des kalten Intellekts. Ihr Sieg bedeutet den Triumph der Seele über alles Mechanische“, schrieb Baldur von Schirach 1938 in seinem Buch „Revolution der Erziehung“, rückblickend auf fünf Jahre nationalsozialistischer Herrschaft in Deutschland. Was hier in begrifflichen Antithesen als Erlösung des Seelenvollen aus den Fesseln des Seelenlosen gefeiert wurde, entpuppte sich schnell als Kern eines Programms, das teleologisch auf den Bruch mit den rationalen, humanistischen und geistigen Traditionen der westlichen Zivilisation ausgerichtet war. Nicht nur im politischen und gesellschaftlichen Leben sollte affektives Erleben an die Stelle vernunftgeleiteter Reflexion treten; auch in Kunst und Wissenschaft wurde der Verstand gegen das Gefühl ausgespielt…
    Baldur von Schirach war Reichsjugendführer der NSDAP.

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    … Was dort (wahlweise im Nationalsozialismus, im Trumpismus, im Putinismus, in der AfD, Anm. KK) als Idee von Nation und Volkstum formuliert worden war, kehrte im Denken der Nationalsozialisten als Mythos von Blut und Boden wieder, in dem sich, befreit nun von der Fremdüberlagerung durch Humanismus und Christentum, das Sehnsüchtige und das Irrationale, das Phantastische und das Grenzenlose aufgehoben fanden (So gesehen hat Bin Laden die verklärende Romantik des Erhabenen aus der Perspektive des Heim-Fernsehens konsequent vor Augen geführt.

    Caspar David Friedrich: Das Riesengebirge, 1830-35
    Katharina Karrenberg: EMOTIONAL LAVA*, Digitalmontage 2026
    *Damian Lentini
    Caspar David Friedrich: REGENBOGEN IM ERZGEBIRGE, 2008
    Katharina Karrenberg: THE ARTISTS. WIR WERDEN SIE JAGEN.
    Digitalmontage 2026

    Wir werden dafür sorgen, dass die Schulen unsere Kinder zu mündigen, klugen, selbstbewussten, freigeistigen Bürgern heranbilden, anstatt sie zu gehirngewaschenen, feigen, kompetenzlosen  Gesinnungssoldaten des Regenbogenimperiums umzuerziehen.
    Hans-Tuomas Tillschneider während seiner Rede im Bundestag, 2025
    DER REGENBOGEN war eins der Lieblingsgemälde Adolph Hitlers

    CASPAR DAVID FRIEDICH_DER WATZMANN, 1812
    KATHARINA KARRENBERG_ DER GROSSE AUSTAUSCH_2026
    Caspar David Friederich: DER TRÄUMER. 1818
    Katharina Karrenberg: YES.NO.  WAYS OF FASCISM. 2026
    Digitalmontage mit:

    Max Esser. Bronze, 1938-39. Dargestellt sind die Rennfahrer Ernst Henne (BMW), Ewald Kluge (DKW) und Heiner Fleischmann (NSU). 2 der ursprüngl. 3 Bronze-Skulpturen sind heute aufgestellt an der berüchtigten Nordkurve der AVUS, Berlin.

    ZÜNDAPP-WERBEPLAKAT (detail). 1943. „ZÜNDAPP. ZUVERLÄSSIG AN ALLEN FRONTEN“

    Marcel Duchamp:RROSE SELAVY, 1920-21
    Katharina Karrenberg: #DEUTSCHDENKEN. Realmontage mit 2 blonden Zöpfen, 2026

    Frage an Herrn Tillschneider, den Kulturpolitischen Sprecher der AfD:
    Was verstehen Sie unter Weltkultur?
    Tillschneider:
    Weltkultur, die ins Deutsche übersetzt wurde, wie z.B. Shakespeare ist Deutsche Kultur

    *****

    RADAR 1: Haber-Verfahren bei Kulturförderung verfassungswidrig
    Die „Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages“ haben im Sommer ihr 16seitiges Gutachten „Zur Zulässigkeit des Haber-Verfahrens im Bereich der Förderung von Kunst und Kultur“ abgeschlossen mit dem Fazit: Das Vorgehen ist mit dem Grundgesetz nicht vereinbar.

    Seit 2020 haben Ministerien 1.200 zivilgesellschaftliche Organisationen und 1.300 Personen im Zuge des sogenannten „Haber-Verfahrens“ durchleuchten lassen, das ergab eine Anfrage der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag. Aufmerksamkeit fand das Verfahren, das 2004 eingeführt und 2017 vom Bundesministerium des Innern aktualisiert wurde, erst wieder durch eine Aktion des Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Dieser hatte Anfang des Jahres die von einer unabhängigen Jury für den Deutschen Buchpreis ausgewählten Buchhandlungen vom Verfassungsschutz überprüfen lassen und in der Folge drei Buchhandlungen nachträglich von der Preisliste gestrichen: The Golden Shop in Bremen, die Rote Straße in Göttingen und den Buchladen Zur schwankenden Weltkugel in Berlin. Weimer machte also die Förderung von einer – nicht öffentlichen, nicht begründeten – Einschätzung des Verfassungsschutzes abhängig. 

    Das Haber-Verfahren sieht vor, dass bundesstaatliche Stellen eine Auskunft beim Verfassungsschutz einholen können, ob zu bestimmten Personen oder Organisationen „relevante“ Erkenntnisse vorliegen. Der Geheimdienst antwortet darauf zunächst nur mit ja oder nein. Im Einzelfall können die Ministerien anschließend weitere Details abfragen – was Weimer angeblich nicht tat. Die betroffenen Personen werden über den Vorgang zu keinem Zeitpunkt informiert.

    Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages kommen in ihrem Gutachten, das vom medienpolitischen Sprecher der Fraktion Die Linke beauftragt wurde,  zu dem Schluss: Vor einer Förderung im Bereich Kunst oder Kultur heimlich eine solche Anfrage an den Verfassungsschutz zu stellen, ist nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Untersucht wurde dabei zum einen die Abfrage beim Verfassungsschutz, die mit einer Übermittlung von Namen und weiteren Daten der Betroffenen einhergeht, zum anderen die Recherche und Antwort des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV). Für den ersten Teil sehen die Gutachter*innen keine Rechtsgrundlage.

    „Die Abfrage beim BfV sowie die damit verbundene Übermittlung personenbezogener Daten durch ein Bundesministerium im Zuge des Haber-Verfahrens greifen in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung […] ein, ohne dass dieser Eingriff auf eine taugliche Ermächtigungsgrundlage gestützt werden kann“, schreiben die Gutachter*innen. Auch das Bundesdatenschutzgesetz erlaube eine solche Übermittlung nicht. Das Verfahren verstoße damit gegen das Grundgesetz und sei unzulässig. Den zweiten Teil, die Antwort des Verfassungsschutzes an die Ministerien, sehen die Autor*innen hingegen als vom Verfassungsschutzgesetz gedeckt. Ob die weiteren Maßnahmen – die Entgegennahme der Daten und die Recherche zu den Betroffenen – auch von dem Gesetz gedeckt seien, bleibt laut Gutachten offen. Kritisch sehen die Autor*innen, dass die Betroffenen über das Verfahren zu keinem Zeitpunkt benachrichtigt werden.

    Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages unterstützen die Mitglieder des Deutschen Bundestags bei ihrer mandatsbezogenen Tätigkeit. Ihre Arbeiten geben nicht die Auffassung des Deutschen Bundestags, eines seiner Organe oder der Bundestagsverwaltung wieder. Vielmehr liegen sie in der fachlichen Verantwortung der Verfasserinnen und Verfasser sowie der Fachbereichsleitung.

    RADAR 2: nowarberlin.org
    In Berlin wird der Krieg geplant, organisiert und in den öffentlichen Diskurs gebracht. Die Recherche „Machtzentrum Berlin-Mitte” dokumentiert Standorte der Rüstungsindustrie, ihrer Zuliefererbetriebe, nahestehender Lobbygruppen und Think Tanks.

    Siehe dazu auch: rheinmetallentwaffnen.noblogs.org 

    RADAR 3: Videoüberwachung mit Verhaltensanalyse
    Am Kottbusser Tor in Berlin wurden im August die ersten von zunächst 30 KI – Videoüberwachungsgeräten installiert. Wenn anhand der Bewegung von Bürger*innen ein Verhalten als verdächtig analysiert wird, springt ein Alarmsystem an, das die Berliner Polizei informiert. Laut “netzpolitik.org” verwendet die Polizei zwei Kameratypen des schwedischen Herstellers Axis namens Q1809-LE und Q3839-PVE. Das Privatunternehmen Adesso liefert die Software zur Verhaltenserkennung. 

    In Hamburg und Mannheim laufen bereits ähnliche Systeme im öffentlichen Raum – dort stammt die Technik jedoch vom gemeinnützigen Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung. Bislang gab es in Berlin – außerhalb des öffentlichen Nahverkehrs – keine dauerhafte Videoüberwachung des öffentlichen Raums. Nun soll die Videoüberwachung mit Verhaltensanalyse auch an weiteren angeblich kriminalitätsbelasteten Orten sowie an mutmasslich gefährdeten Gebäuden zum Einsatz kommen.

    Insgesamt 3,9 Millionen Euro zahlt die schwarz-rote Landesregierung für die dauerhafte und KI-gestützte Videoüberwachung an den sogenannten kriminalitätsbelasteten Orten (kbO). Das Projekt befindet sich zurzeit in der Testphase und soll auf weitere kbOs wie die Warschauer Brücke ausgeweitet werden. Die KI soll Bewegungen wie Schläge oder Tritte erkennen. Laut Ausschreibung sollen auch “liegende Personen” erfasst werden können.

    Das anlasslose Überwachen des öffentlichen Raums ist durch die Verschärfung des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (Asog) von Ende 2025 rechtlich möglich. Auch das Trainieren der KI mit den Daten von Unbeteiligten ist demnach erlaubt. Am 25. September stimmte das Parlament dem Gesetz in dritter Beratung endgültig zu, so dass die Bundespolizei derartige Systeme auch an Bahnhöfen einsetzen kann.

  • Newsletter 04
    Im Newsletter 04 untersucht die Künstlerin Katharina Karrenberg, wie die Freiheitsbewegungen deutscher Früh-Romantiker bald von nationaler Mystifizierung gekapert und sowohl vom Nationalsozialismus wie der AfD heute in Anspruch genommen wurden/werden. Inwiefern kollaboriert das Kunstsystem mit faschistischen Mikropolitiken?
  • Newsletter 03
    Newsletter 03 erscheint vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Er versammelt Stimmen von Einzelnen, die in der Region künstlerisch und kulturell aktiv sind (oder waren) und stellt die Netzwerke in beiden Bundesländern vor, die Solidarität gegen repressiv-patriotische Ideologien praktizieren.
  • Newsletter 02
    Newsletter 02 zeigt neue Radierungen von Thomas Kilpper zu autoritären Eingriffen in die Kunst- und Wissenschaftsfreiheit in Deutschland. Radar: Ein kurzes Interview mit dem Rechtswissenschaftler Christoph Möllers zur „Öffentlichen Kunstfreiheit“ und ein dringender Appell von Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen aus Serbien.
  • Newsletter 01
    Newsletter 01 asks how artists are responding to recent upheavals in a Western understanding of culture, law, and the state. Art by Andrea Scrima. “Radar”: Statements by participants in Kultur unter Druck, an event that took place at Kunstquartier Bethanien on April 30, 2026; civil disobedience against the AfD in Erfurt on July 4.
  • Newsletter 00
    Die Nullnummer spricht von der Genese des Newsletters und seiner Notwendigkeit, vom angstfreien Sprechen im öffentlichen Raum. Im „Radar“ informiert er über Aktionen in Berlin und Rom. Der künstlerische Audio-Beitrag ist von Katharina Karrenberg.