Newsletter 03

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August 2026
Vor den Wahlen – Solidarität

Nicht nur angesichts der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am 6.9. und in Mecklenburg-Vorpommern wie Berlin am 20.9. ist es unser Anliegen, die aktuelle (kultur-)politische Situation auch jenseits dominanter Kunstzentren zu reflektieren. Wir haben zahlreiche Künstler*Innen und institutionell Arbeitende in den beiden laut Umfragen künftig mit einer AfD-Mehrheit konfrontierten Bundesländern angeschrieben und um Statements über ihre täglichen Erfahrungen und potenziellen Zukunftserwartungen gebeten. Sie wurden unverändert und in der Hoffnung übernommen, hiermit eine offene Debatte um die Möglichkeiten szene- und positionsübergreifender Allianzbildungen, aber auch um Strategien im Umgang mit scheinbar unlösbaren Dissensen und Konflikten anzustoßen. AfD-Angriffe auf die demokratische Gesellschaft und Kultur, auf Kunstfreiheit und Bildungsgerechtigkeit, auf Migrationsrecht und soziale Inklusion werden täglich exerziert und im Regierungsprogramm der Partei propagiert, von den konservativen und liberalen Parteien entweder unterschätzt oder explizit gestützt. Unter welchen kommunikativen Voraussetzungen und mit welchen gemeinsamen Vorhaben können wir dem ein robustes, zur selbstreflexiven Machtkritik befähigtes Solidarkonzept entgegensetzen?

In beiden Ost-Bundesländern haben sich im letzten Jahr weit gefächerte Netzwerke des Widerstands gebildet – in Sachsen-Anhalt im spartenübergreifenden Zusammenschluss von großen und kleinen Kultureinrichtungen, in Mecklenburg-Vorpommern auf zivilgesellschaftlicher Basis – , die dem autoritären, patriotischen Druck die Idee und Praxis eines egalitär Gemeinsamen entgegensetzen. Es sind, wie wir gelernt haben, Allianzen aus vielen Einzelnen, die das Prinzip einer solidarischen Gesellschaft mit einer jeweils teils jahrzehntelangen, vom Kunst- und Kulturbetrieb übersehenen Beharrlichkeit verteidigen. Es sind auch (Selbst-) Organisationen vulnerabler Menschen, darunter migrantische Gruppen, die aus Gründen der Ressourcenbeschränkung auch hier leider nicht aufscheinen. 

Es ist die verdrängte, unbearbeitete, unterdrückte Geschichte Vieler (nach 1949, nach 1989), die weiterhin Dialoge blockiert.  Die hieraus resultierende Feindmarkierung zieht bekanntlich immer weitere Kreise und profitiert von gesellschaftlicher Spaltung. Wir spüren an uns selber, dass und wie sehr Schock und Empörung über die mehr oder weniger spür- und identifizierbaren Mechanismen der Faschisierung auf Dauer erschöpfen. Die Beiträge dieses Newsletters sind ein Versuch von vielen, dieser Dynamik zu entkommen.

Dank an die in Chemnitz und Berlin lebende Kunsthistorikerin und Kuratorin Jeannette Brabenetz sowie an Patrick Hinz, ehemaliger Chefredakteur von KATAPULT MV und Oliver Klimpel, Leiter Kuratorische Werkstatt Bauhaus Dessau für Unterstützung. 

Beiträge:

Christoph Knitter, Künstler in Rostock: Jetzt erst recht!

Simon Baumgart, Künstler in Halle (Saale): Mittel ohne Zweck

Susanne Gabler, Künstlerin in Wismar: Auf was können wir in der Zukunft verzichten?

Marita Tatari, Professorin an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle : Die Lücke der Zeit – Kunst unter disruptiven Bedingungen

Else Gabriel, Künstlerin aus Halberstadt, lebt in Berlin: Inhalte oder Beziehungsmuster verhandeln?

Prof. Dr. Annegret Laabs, Direktorin Kunstmuseum Magdeburg: „Kultur ist Vielfalt und Heimat“

Ina Gross-Bajohr, Pressesprecherin von „Zusammen bewegen“: Sich gemeinsam Gehör verschaffen

Olaf Wegewitz, Künstler in Huy-Neinstedt: das steinchen im sand

Dr. Katharina Neuburger, Günther Uecker Institut, Institut für Umwelt und Gestaltung, Schwerin: Kunst als eine Form des wilden Denkens

Kornelia Röder, Kuratorin, schaumagazin Schwerin: „Angst essen Seele auf“

Christoph Knitter, aus: Liebesbriefe an M.V., 2026

Jetzt erst recht!
Christoph Knitter, Künstler in Rostock

Seit Jahren gehören menschenverachtende Sticker im Kiez oder am Briefkasten meines Ateliers, tätliche oder verbale Angriffe auf Kolleginnen und Kollegen, Konfrontationen mit Ausstellungsbesuchenden sowie deeskalierende Maßnahmen zum Schutz meiner Studierenden zu meinem Alltag. Das macht mir große Sorgen, und ich werde mich daran wohl nie wirklich gewöhnen.

Oft frage ich mich, ob ich nach den Wahlen, sollten sich die düsteren Prognosen bewahrheiten, noch genügend Kraft haben werde, für mein unmittelbares Umfeld einzustehen. Meine Antwort darauf lautet: Jetzt erst recht!

Auch meine künstlerische Arbeit, seien es Zeichnungen, Plakatgestaltungen oder konzeptionelle Projekte, ist längst von einer klaren Haltung gegen Rechtsextremismus geprägt. Das gefällt sicherlich nicht allen meinen Kundinnen und Kunden. Aber das muss es auch nicht.

Wie sich der Kunst- und Kulturbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern in den kommenden Jahren entwickeln wird, ist für mich eine große Unbekannte. Welche Einrichtungen werden künftig gefördert? Welche wichtigen Stipendien bleiben erhalten, welche werden gestrichen? Nach welchen Kriterien werden Ausstellungen besetzt? Und was bedeutet all das für die kreative Szene im Land?

Umso wichtiger wird es sein, sich weiter zu vernetzen, solidarisch zu bleiben und Projekte – wenn nötig – aus eigener Kraft oder mit Eigenmitteln zu verwirklichen.

Ob meine eigene Kraft dafür dauerhaft ausreichen wird, kann ich nicht sagen. Das wird die Zeit zeigen. Aufgeben ist für mich jedenfalls keine Option. Denn eines scheint mir sicher: “Die Kunst hungert zuerst, aber sie stirbt zuletzt.“

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Mittel ohne Zweck
Simon Baumgart, Künstler in Halle (Saale)

Ich glaube ja tatsächlich an die Kunst als Mittel ohne Zweck.

Ist es vom gedanklichen Ansatz etwas grundhaft Neues, wenn die AfD die Kunst in Zweckmäßigkeiten zwingen will? Mir stellen sich jedenfalls unangenehme Fragen über die Freiheit der Kunst, wie wir sie bislang behauptet haben. Wie geht ihre Freiheit zusammen mit verbreiteten gesellschaftlichen Erwartungen an sie, einem Auftrag gerecht zu werden, einen Beitrag zu liefern, einen Mehrwert zu leisten?

Es ist aber eine Verschärfung, wenn die AfD einen national-patriotischen Zweck der Kunst in Sachsen-Anhalt auf staatlicher Ebene festschreiben will und die finanzielle Förderung von dem Bekenntnis zu diesem Zweck abhängig macht. 

Weil ich Respekt vor der Kunst und ihrer Zwecklosigkeit habe, kann ich darüber nur lachen. Auf der Ebene meiner eigenen Arbeit beeindruckt mich das auch wenig. Eher gehe ich für die Zwecklosigkeit meiner Kunst einer Erwerbsarbeit nach, als Identitätsklauseln in Förderanträgen zu unterschreiben und mache meine Wohnung in Halle-Neustadt zum Kunstraum, der die undeutsche, nicht identitäre, nie nationale, sondern solidarische Kunst ohne Zweck hochhält.

Vielleicht ist das aber auch die Blauäugigkeit eines Idealisten.

Als Angriff auf die zeitgenössische Kunstszene in Sachsen-Anhalt macht es mir Sorgen. Die Attacke der AfD ist Symbolpolitik, denn ihr Gegner ist nicht groß und mächtig. Hier gab es vom Kunstmarkt nie viel zu gewinnen, aber (oder deshalb) viel Selbstorganisation und Kollegialität. Wer die zeitgenössische Kunstszene trägt, sind zum großen Teil die Künstlerinnen und Künstler selbst. Staatliche Förderungen sind darum eine wichtige Stütze.

Was kommt in der nächsten Zeit auf die Strukturen zu, die umfangreicher sind als die Kapazitäten der Einzelnen und die Räume, die größer sind als unsere Wohnungen und Ateliers, und die die Kunst doch auch braucht?

Was mir Hoffnung macht, ist die Solidarität, die ich in der Kunstszene erlebe. Vielleicht müssen wir uns darauf einstellen, institutionell einsamer zu werden und ich will daran glauben, dass wir auch in Eigeninitiative sehr viel bewegen können. Ich hoffe am meisten, dass keine Künstlerin und kein Künstler aufhört mit seiner Arbeit. Es braucht hier noch mehr Kunst.

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Auf was können wir in der Zukunft verzichten?
Susanne Gabler, Künstlerin in Wismar

In meinem Alltag erlebe ich Besorgnis über die Konsequenzen, die Kunst und Kultur mit dem Erstarken autoritärer und rechter Kräfte angedroht sind.

Eine Wahlentscheidung gegen freiheitlich-demokratische Kräfte muss eine emotionale Entscheidung sein. Denn sie ist logisch zu leicht zu widerlegen. Eine derart ausgerichtete Partei zu unterstützen, bedeutet für die meisten, gegen ihre eigenen Bedürfnisse zu wählen. 

Wenn diese Form der Radikalität und Opposition – selbst zum eigenen Nachteil – als Trost wirkt, dann kann unsere Politik nur entgegensteuern, indem sie die dahinterliegenden Bedürfnisse ernst nimmt.

Ich wünsche unserer Politik genug Zeit für Fragestellungen, Ressourcen zum Agieren und Entwicklungsfähigkeit für neue, progressive, zeit- und situationsrelevante Konzepte. 

Aus meiner Erfahrung sind das Voraussetzungen, damit Neues entsteht und findet so in Schaffensprozessen von Künstler:innen statt.

Partizipation ist u.a. ein Teil meiner künstlerischen Arbeit und kann eine Methode sein. Dabei erlaube ich von Beginn an, dass ich das Werk nicht alleine bestimmen werde. Das akzeptiere ich in der Gewissheit, dass alle Beteiligten die Verantwortung für das Ergebnis tragen werden.

Kunst und Kultur ist nichts Zusätzliches, sondern das was wir den kommenden Generationen hinterlassen. Jede kulturelle Errungenschaft, die jetzt in den Hintergrund tritt, wird sich in der Zukunft als Verlust abbilden. Wir riskieren Dinge zu verlieren wie Inspiration, Visionen, Diversität, Willen zur Autorenschaft. Das alles sind Potenziale und Voraussetzungen einer freien Gesellschaft. Die Frage ist hier: Auf was können wir in der Zukunft verzichten? 

Meinen künstlerischen Wirkungsraum erhalte ich aktiv durch Kollaborationen. Mich stärkt die daraus entstehende Verbundenheit. In meinem Format Word Art entwickle ich in situ großflächige, hochverdichtete Aussagen – eine Art unmittelbare Lyrik. 

Darauf aufbauend entstehen seit 2024 neue künstlerische Formate mit dem Anspruch auf freien Ausdruck. Diese Werke greifen Bekanntes auf, indem ich mit digitaler Übertragung und Vervielfältigung arbeite. Aus der Suche nach Lösungsansätzen und die gesellschaftlichen Veränderungen in offenem Blick, entsteht natürlich Neues.  

Susanne Gabler, Carsten Bund, Videosequenz „mementum LED“, 2025

Text der LED Projektion: 

Kunst ist verzichtbar
Menschlichkeit ist verzichtbar
Kulturförderung ist verzichtbar
Privatheit ist verzichtbar
Gesundheit ist verzichtbar
Freiheit ist verzichtbar

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Die Lücke der Zeit – Kunst unter disruptiven Bedingungen
Marita Tatari, Professorin für Kunstphilosophie und Kulturtheorie an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle 

Fragmente aus ihrer Antrittsvorlesung im Januar 2025

„Die Demokratie zeichnet sich demnach durch die Herausforderung aus, die Öffnung im Herzen des Gemeinsamen offen zu halten: offen für Andersartige, für Differenz, offen zu Neuverhandlungen, Revisionen, Transformationen. Es geht in ihr darum, diese Öffnung gemeinsam zu tragen – als ein nicht begründetes Gemeinsames. 

(…)

Deswegen kann das Recht, auf das die demokratische Institution verweist, „in Wahrheit nur in einem stets aktiven und erneuerten Verhältnis zu ihrem eigenen Mangel an Gründung leben“.

(…)

Philosophie mit den Mitteln des Begriffs, und Kunst mit den Mitteln des Sinnlichen, beide sind der Versuch, die Öffnung des Gemeinsamen je auf ihre Weise zu artikulieren, zu bejahen und zu teilen und damit zwischen uns offen zu halten.

(…)

Ihrem Selbstverständnis nach unbegründet ist auch die Autonomie, die viele als das Hauptanliegen der westlichen Zivilisation beschreiben: ein Selbst, das sich selbst nur insofern bestimmt, dass es auf sich selbst reflexiv bezieht und deshalb aber zugleich sich selbst als ein anderes erfährt; sich zu einem anderen hin in sich selbst öffnet.

(…)

… So sehr das Abendland, wie es früher hieß, die Öffnung zum anderen in sich selbst anstrebte, hat es zugleich nicht aufgehört, den Anderen auszumerzen, auszulöschen, zu vernichten: in den Kolonien, in den Vernichtungslagern, in den Gulags, und, planetarisch erweitert, in der Naturzerstörung und der Zerstörung von Lebensraum – eine unaufhaltsame Geschichte der Beherrschung bis hin zum endlosen Konsum des Anderen in der technoökonomischen Produktion des Spätkapitalismus…

(…)

Die Kunstbetrachtung ist das Moment, in welchem wir uns der Öffnung dieser Koexistenz aussetzen. In diesem Sinn steht mit der Kunst unsere gemeinsame Existenz auf dem Spiel: unsere Möglichkeit, eine Welt zu teilen. 

(…)

Dieses Selbstverständnis ist allerdings ins Wanken geraten, und es stellen sich Fragen: Ist das Gemeinsame, wie es der Westen seit der Aufklärung dachte, die Selbstverwirklichung der Menschheit als Freiheit? Ist die Geschichte der Fortschritt dieser Selbstverwirklichung? Gibt es einen universalen Horizont für den Fortschritt? 

(…)

„Die Lücke zwischen Vergangenheit und Zukunft“ ist der Titel eines Essays von Hannah Arendt. Zwischen Vergangenheit und Zukunft befindet sich für sie der Ort des Denkens. An dem Ort, an dem wir stehen, hier und jetzt, entsteht, wenn wir denken, die Lücke der Zeit, das heißt, ein Außerhalb, das den Zeitfluss unterbricht. Erst aus dieser Lücke heraus teilt sich die Zeit in Vergangenheit und Zukunft. 

(…)

Die Moderne und selbst die Postmoderne (trotz ihrer Kritik an der Moderne), sahen beide in dem Bruch mit der Tradition die Bedingung für die Emanzipation. Was die heutige Zeit von anderen unterscheidet, ist, dass dieses Schema grundsätzlich in Frage steht: Wir stecken zwischen Vergangenheit und Zukunft fest, ohne auf das Fortschrittsnarrativ der Moderne zugreifen zu können.“

www.burg-halle.de/artikel/a/antrittsvorlesung-von-prof-marita-tatari-die-luecke-der-zeit-kunst-unter-disruptiven-bedingungen

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else (Twin) Gabriel, „Selbst als Runder Tisch“, Fotoperformance, 2001
Kamera: David Brandt

Inhalte oder Beziehungsmuster verhandeln?
Else Gabriel, Künstlerin aus Halberstadt, lebt in Berlin

Hätte ich geahnt, dass nach meiner Ausreise im Herbst 1989 das beste aller Gesellschaftssysteme hinter mir zusammenbrechen würde – ich hätte die Tür weniger wütend zugeworfen.

Aber ich war wütend.

Die DDR war ein endlos langer, fehlbelichteter Film, in dem ich 27 Jahre festsaß. 

Jeder meiner Versuche, vor dem Abspann den Ort des Geschehens zu verlassen, wurde verwehrt oder mir ausgeredet – nicht zuletzt von Westbesuchern aus dem progressiven 68er-Milieu, die seit den 1970er Jahren mit Tagesvisum in das im Zonenrandgebiet liegende Halberstadt diffundierten.

In der zweiten Hälfte der DDR waren die Rollen zwischen West und Ost klar verteilt. 

Westler = Sender, Ostler = Empfänger. 

Zurückgeben konnten die Ostgermanen innerhalb ihres dysfunktionalen Geheges eine weiterglimmende Utopie. Außerdem schürten sie mit ihrem Einfallsreichtum, es „sich ein bisschen schön zu machen“, so etwas wie Lagerfeuerromantik und die Verklärung des Aufeinander-angewiesen-Seins.

Die Erschütterung der Macht 1989 wirbelte alles gründlich durcheinander – im Osten unmittelbar und allumfassend.

Im Westen dämmert es vielen erst jetzt, dass damals etwas in Bewegung geriet, das auch sie selbst mehr angeht, als ihnen recht ist.

Die Euphorie – weltweit –, nachdem Ostdeutsche die Öffnung der Mauer erzwungen hatten, weckte enorme Erwartungen auf beiden Seiten. Der Zeitdruck im Vereinigungsprozess tat ein Übriges.

Anfang der 1990er Jahre gab es zahlreiche TV-Talkshows mit Ost- und Westbeteiligung. Ich sah, hörte und fiel regelmäßig vor Lachen fast vom Stuhl, weil beide Seiten mit großer Ernsthaftigkeit Deutsch sprachen, mit gleichem Vokabular, aber offensichtlich damit jeweils etwas ganz anderes meinten. Beide Seiten wirkten aufrichtig davon überzeugt, völlig verständlich zu sprechen, und bemerkten nicht, dass sie sich auf unterschiedlichen semantischen Landkarten bewegten. Sprache ist mehr als Wortschatz und Grammatik! Sie enthält immer ein darüber hinausgehendes Regelwerk, das einen gemeinsamen Erfahrungshorizont voraussetzt, um das Gesagte richtig einzuordnen.

Klar, sowohl in der BRD wie der DDR war Deutsch die Standardsprache. 

Aber beide gehörten bis 1989 verschiedenen Gesellschaftssystemen an, die sich bis an die Zähne bewaffnet als Todfeinde an der innerdeutschen Grenze gegenüberstanden! Natürlich – wie immer bei Feinden – spiegelte die eine Seite die andere und vice versa. Aber dass sich dadurch über Jahrzehnte unterschiedliche Lebensrealitäten mit fundamental verschiedenen Verhaltens- und Sprachnormen entwickelt hatten, lag doch glasklar auf der Hand?

Warum kam niemand auf die Idee, in solchen Gesprächsrunden zwischendurch mal nachzuhaken, ob da überhaupt noch Inhalte oder nicht längst Beziehungsmuster verhandelt wurden? Dann hätte man Begriffe klären und auf einer Metaebene die Wirkung der einen oder anderen Formulierung auf die Gegenseite thematisieren können.

Das passierte zu keinem einzigen Zeitpunkt! 

Immerhin ein Buch habe ich gefunden, das sich diesem Thema widmet: Ihr könnt uns einfach nicht verstehen. Warum Ost- und Westdeutsche aneinander vorbeireden von Olaf Georg Klein, 2001, Eichborn Verlag. Spätestens mit dessen Erscheinen hätten Kommunikationswissenschaftler doch bemerken müssen, daß da ein relevantes Feld brach liegt, das sich zu vertiefen lohnt? Aber soweit ich recherchieren konnte, folgte… nichts.

Es ist mir bis heute ein Rätsel.

Es mag wie ein nebensächliches Detail wirken … aber hier liegt nach meiner Einschätzung der Ausgangspunkt für eine Aneinanderreihung von Missverständnissen und hand- und mundwerklichen Ungeschicklichkeiten, die uns bis zu den mit Bibbern erwarteten Landtagswahlen im Herbst 2026 führen.

Man kann nicht nicht kommunizieren (Paul Watzlawick). Aber man kann zu ideenarm, zu wenig neugierig, zu überfordert oder sich seiner Deutungshoheit zu sicher sein, um in einem Gespräch weder die Voraussetzungen noch die Hintergründe des Gegenübers mit einzubeziehen.

Meist ist es eine Mischung aus allem, und häufig gibt es bei solchen Verhandlungen auch Positionen, die von dem Wirrwarr profitieren. Denn Beziehungsgeflechte enthalten Machtgefälle.

(Und wo behauptet wird, das wäre als Problem erkannt und beseitigt, gilt besondere Vorsicht!)

Aus den vielen kleinen, unbeachteten oder weggewischten Mikropatzern, gepaart mit einer parteienübergreifenden Politik, der nichts einfällt als ein „Mehr desselben“, das schon früher nicht funktionierte, wurde ein „Big Ball of Mud“. Die „große Matschkugel“ ist eigentlich ein Begriff aus der Informatik für ein Computerprogramm, das keine erkennbare Softwarearchitektur hat. So etwas entsteht über lange Zeiträume durch zahlreiche, nicht mehr nachvollziehbare Verschlimmbesserungen, die kurzfristig ein akutes Problem lösen, irgendwann aber das gesamte Programm lahmlegen.

Man kann das entwirren. Aber nur Schritt für Schritt und mit Pausen, um mögliche Folgen nicht zu übersehen, die an irgendeiner Stelle auftauchen, wo man sie nicht erwartet.

Und: Man macht sich dreckig dabei, und es dauert.

Vorher aber muss sich jede*r Einzelne entscheiden: 

Bestehe ich darauf, Recht zu haben? Oder will ich etwas erreichen?

Else Gabriel „Der Friede muss bewaffnet sein“, 1986, Kleinplastik (Plasteigel, Plastepistolenanstecker), ca. 15 x 8 x 8cm, Foto: Micha Brendel

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Kultur ist Vielfalt und Heimat
Prof. Dr. Annegret Laabs, Direktorin des Kunstmuseum Magdeburg, Sprecherin der Initiative „Kultur ist Vielfalt und Heimat“ 

Im Mai 2026 haben wir im Land Sachsen-Anhalt die Initiative „Kultur ist Vielfalt und Heimat“ gegründet, die in einem Statement ganz klar zum Ausdruck bringt, welche Haltung wir als Kulturinitiator*innen und Künstler*innen haben und dass wir uns auch in Zukunft nichts anderes vorstellen können, als unsere Programme für eine offene und pluralistische Gesellschaft anzubieten, in einem Land, in dem die Kunstfreiheit gilt, wie sie das Grundgesetz in Artikel 5 Abs 3/1 festschreibt. Wie wichtig es ist, das Bewusstsein dafür zu schärfen, hat uns nicht nur die Vorlage des sogenannten Regierungsprogrammes gezeigt, sondern auch eine Gesetzesinitiative der AfD Landtagsfraktion – der sich die Parlamentarier aller anderen Parteien entschieden entgegenstellten – und in der es darum ging, staatliche Fördergelder zukünftig nur noch an Kultureinrichtungen zu vergeben, die ein „Bekenntnis zur deutschen Nationalkultur“ abgeben, was auch immer deutsche Nationalkultur sein soll, sei dahingestellt. Dass ein von der AfD gefordertes „deutschdenken“ in keiner der Kultursparten funktioniert, muss an dieser Stelle nicht betont werden. In den laufenden Debatten wird dabei immer wieder auf die Argumentation des Netzwerkes zurückgegriffen, denn inzwischen hat sich hinter dem Statement die gesamte Kultur im Land Sachsen-Anhalt versammelt. Alle großen Kulturträger des Landes, Theater, Museen, Stiftungen und Gedenkstätten und viele Interessenvertretungen, wie der Landesheimatbund, der Berufsverband der Bildenden Künstler*innen des Landes, der Museumsverband und der Landesmusikrat haben sich angeschlossen. Von Beginn an war es uns wichtig, die kleineren Initiatoren im Bereich der Kultur, die Soziokultur, alle freien Initiativen und Einzelpersonen mitzudenken, denn all diese Akteure schaffen Begegnungsräume und halten unsere Gesellschaft offen, vielfältig und lebenswert – schaffen Heimat.

Durch die Reichweite des Netzwerkes, das sich nun über das gesamte Land erstreckt, ist es möglich geworden vor einer Entwicklung zu warnen, die die Freiheit der Kunst, die Offenheit kultureller Institutionen und die demokratisch verankerte Erinnerungskultur grundlegend in Frage stellt. Viele Veranstaltungen, solche, die das Netzwerk plant, aber auch jene, die vor Ort in den Kommunen und Dörfern, in den einzelnen Einrichtungen mit viel Engagement geplant werden, informieren über Rechtspopulismus und dessen Auswirkungen. Neben dieser Information in die Gesellschaft und Politik hinein, geht es vor allem auch darum, den Zusammenhalt der Kultur im Land zu zeigen, sich gegen jede Form der Vereinnahmung zu wehren, nach innen zu wirken, sich gegenseitig und den Besucher*Innen den Rücken zu stärken. Gerade die Kulturakteur*Innen im Land sagen im Moment als Teil der Zivilgesellschaft sehr deutlich ihre freie Meinung. Auf fast allen Demonstrationen treten Künstler*Innen auf, Theater initiieren politische Programme und Museen und Bibliotheken stellen ihre Räume für freiheitliche demokratische Debatten zur Verfügung.
Der immense Zusammenhalt der Kultur im Land Sachsen-Anhalt hat inzwischen dazu geführt, dass nicht nur der Deutsche Kulturrat und der Deutsche Städte und Gemeindebund aufmerksam geworden sind, sondern auch viele Kulturinstitutionen im gesamten Bundesgebiet ihre Unterstützung angeboten haben und/oder sich dem Statement anschließen. 

Das gesamte Statement und die Unterzeichnenden finden Sie unter:
www.kulturvielfaltheimat.de 

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Sich gemeinsam Gehör verschaffen
Ina Gross-Bajohr (Pressesprecherin) über das Netzwerk „Zusammen bewegen“ in Mecklenburg-Vorpommern 

CC_: Sie haben 2025 begonnen, in Mecklenburg-Vorpommern das inzwischen große zivilgesellschaftliche Netzwerk „Zusammen bewegen“ zu initiieren. Sie wollen Menschen wieder zusammenbringen, gegenseitige Unterstützung, Begegnung, Gerechtigkeit und Vielfalt stärken. Was hat Sie dazu bewegt, nicht aus der Defensive – gegen Autoritarismus oder die AfD – heraus zu agieren?

Ina Gross-Bajohr: “Zusammen bewegen” will sichtbar machen, wofür die demokratische Zivilgesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern steht: für Zusammenhalt, Menschenwürde und die Überzeugung, dass wir die Herausforderungen in unserem Land nur gemeinsam lösen können.  

Unser Ansatz ist es, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, Engagement zu vernetzen und Mut zu machen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Aus dieser Idee ist “Zusammen bewegen” entstanden: Bereits 2025 haben sich zahlreiche Initiativen in Mecklenburg-Vorpommern darüber ausgetauscht, wie sie ihre Kräfte sichtbar bündeln können. Im Januar 2026 fiel dann der Startschuss für das Bündnis. Heute vernetzt Zusammen bewegen landesweit mehr als 1.000 Menschen und Organisationen, die zeigen, wie viel konstruktives Engagement es in Mecklenburg-Vorpommern bereits gibt.

CC_: Anders als in Sachsen-Anhalt, wo sich viele Kulturinitiativen zur Verteidigung der Kunstfreiheit zusammengeschlossen haben, suchen Sie den breiten zivilgesellschaftlichen Zusammenschluss. Warum? Wen kann „Zusammen bewegen“ aktivieren? Wie bewerten Sie die ersten anderthalb Jahre des Bündnisses?

Ina Gross-Bajohr: Die Herausforderungen in Mecklenburg-Vorpommern betreffen alle Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens – von der Kultur über die soziale Infrastruktur bis hin zur kommunalen Daseinsvorsorge. Deshalb haben wir uns bewusst für ein breites Bündnis aus der Mitte der Zivilgesellschaft entschieden. Heute engagieren sich bei “Zusammen bewegen” Menschen aus Vereinen, Kirchengemeinden, Gewerkschaften, Sozialverbänden, Umweltinitiativen, Kulturprojekten und vielen weiteren Organisationen. Diese Vielfalt an Perspektiven und Erfahrungen ist eine große Stärke des Bündnisses.  

Als breit aufgestelltes Bündnis bieten wir Personen aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen ein großes Identifikationspotenzial. Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern zu erreichen und deutlich zu machen, dass wir trotz unterschiedlicher Hintergründe ganz ähnliche Wünsche an ein solidarisches und gerechtes Zusammenleben haben.

CC_:„Zusammen bewegen“ koordiniert landesweit dezentrale Aktivitäten von Filmvorführungen über Kochclubs bis zu Hafenfesten. Welche Kräfte kommen da zum Zug, um nicht nur Vereinzelung, sondern auch Lagerbildungen, Feindmarkierungen und Verängstigung zu überwinden?

Ina Gross-Bajohr: Die Vielfalt unserer Aktivitäten ist nicht zufällig. Ob Filmvorführung, Kochclub oder Hafenfest – all diese Formate schaffen niedrigschwellige Anlässe, bei denen Menschen ins Gespräch kommen, die sich sonst nicht begegnen würden. Viele Veranstaltungen kombinieren wir bewusst mit Gesprächsformaten wie Klönschnacks, dem Gabieisbus oder der Wunsch-Visualisierungs-Maschine.  

So erfahren wir, welche Sorgen die Menschen haben, was sie sich für ihre Gemeinde oder Region wünschen und welche Lösungen sie von der Politik erwarten. Diese Anliegen dokumentieren wir und tragen sie in die politische Debatte – durch Gespräche mit politischen Verantwortlichen, Stellungnahmen und öffentliche Aktionen. So erleben Menschen, dass sie mit ihren Anliegen nicht allein sind und sich gemeinsam Gehör verschaffen können. Das stärkt das Vertrauen in die Kraft der Demokratie.

www.zusammenbewegen.org

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das steinchen im sand
Olaf Wegewitz, Künstler in Huy-Neinstedt

unwort geht an land
„Zeitenwende“!
Wohin wendet sich das Zeitgeschehen? Blindlings zurück! Dort finde ich mich
wieder, nämlich in der Ausstellung mit dem dubiosen Titel „Revolutionary Romances“.
Wir sind Vorzeichen ausgesetzt! Das Maler- oder Künstlerbuch „UNAULUTU“ von Frieder Heinze und mir wird in einer Ausstellungsvitrine mit einem Schmähzettel versehen 2024 im Albertinum gezeigt. Ich erfahre den schäbigen, gefährlichen Hauch der Vergangenheit, der sich wie der Geist aus der Flasche aus den Kuratorengehirnen erhebt und zu handfester Ideologie verhärtet. Ich bin sprachlos und erinnere mich an Vergangenes, verschwunden Geglaubtes. An meine Auseinandersetzung mit den Ideen eines Karl Max Kober zur abstrakten Kunst Ende der 70er Jahre in der Zeitschrift „Bildende Kunst“. Ausgrenzung, weil man die Inhalte nicht will oder weil man Stoff für die Illustration des eigenen ideologisierten Gedankengutes braucht. Ich wende mich an Hilke Wagner und ans Kupferstichkabinett. „Warum bringt man ein Kunstwerk, welches im DDR-Staat entstanden ist, weil es einer indigenen südamerikanischen Kultur gewidmet ist mit irgendwelcher kolonialer imperialistischer Aneignung durch die DDR – Führung in Verbindung? Warum hätten wir irgendwelchen Modellen der Vergangenheit oder der westlichen Rezeption von indigenen Kulturen folgen sollen?“ Die Anwürfe widerspachen unseren Ambitionen. Diese hätte man von Bild und Text im Buch in Erfahrung bringen können. Die Antwort ist wässrig, ausweichend, der Zettel wird entfernt und das Gespräch zur Thematik steht immer noch aus. 

Wir suchten das Verbindende, nicht das Trennende der Kulturen und finden uns heute wieder im Gestern. Lockt hier ein geheimer Zeitgeist aus der Geschichte Praktiken im Umgang mit der Kunst? Was wird vorbereitet und wem hält man die ideologischen Steigbügel? Wir sprechen im Kunstverein Röderhof über das kunstideologische Programm der AfD Sachsen-Anhalt. Wird’s völkisch werden vor unseren Augen, in den Köpfen das Trennende denkend! Aus Erfahrung weiß ich, daß die Kunst widerstehen kann und dem trennenden Denken ihre Einheit entgegenzusetzen vermag, das verbindende Denken und Fühlen in Wort, Bild und Ton. 

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Kunst als eine Form des wilden Denkens
Dr. Katharina Neuburger, Wissenschaftliche Leitung des Günther Uecker Instituts, Institut für Umwelt und Gestaltung, Schwerin

Das Günther Uecker Institut | Institut für Umwelt und Gestaltung (GUI | IUG) in Schwerin ist eine unabhängige Kultureinrichtung in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins. Es trägt den Namen eines Akteurs, dessen Werk und Denken bis heute Orientierung geben. Günther Uecker war ein zutiefst humanistisch denkender Künstler und darin radikal. Sein künstlerisches Schaffen war geprägt von der Überzeugung, dass Kunst gesellschaftliche Verantwortung trägt. Seine Arbeiten setzen sich mit Erinnerung und Versöhnung, Gewalt und Frieden, Verletzlichkeit und der Würde des Menschen auseinander. Für unser Institut ist dies weit mehr als ein Erbe, auf das sich verweisen lässt. Es bildet den Maßstab unseres Selbstverständnisses. 

Als Doppelinstitut verbindet das GUI | IUG zwei Arbeitsfelder. Das Günther Uecker Institut fördert und publiziert kunst- und kulturwissenschaftliche Forschung ausgehend vom Werk unseres Namensgebers mit dem Schwerpunkt Deutsche Nachkriegsavantgarde. Das Institut für Umwelt und Gestaltung ist international ausgerichtet und versteht künstlerische Forschung als eigenständige Form der Wissensproduktion. Wir initiieren interdisziplinäre Projekte, die deutsch-deutsche Erfahrungen, gesellschaftlichen Wandel und gegenwärtige Fragestellungen im Dialog zwischen Kunst, Wissenschaft und Öffentlichkeit untersuchen und auf weltweite gegenwärtige Phänomene übertragbar machen. Beide Bereiche verbindet die Überzeugung, dass künstlerische, kulturelle und wissenschaftliche Arbeit gesellschaftliche Prozesse sichtbar machen und mitgestalten kann und muss.

Unsere Arbeit konnte bislang als eingetragener Verein besonders frei agieren. Wir sind organisch gewachsen und haben uns Schritt für Schritt entwickeln können. Unsere Struktur, deren Kernaufgabe in der Förderung junger Wissenschaftler*innen und Künstler*innen liegt, ermöglicht den Freiraum, der für Forschung und Kunst unverzichtbar ist. Zugleich hat sie uns erlaubt, mit unseren begrenzten Mitteln und externen Förderungen eine extrem agile und verlässliche Institution aufzubauen, die sich von Schwerin ausgehend international orientiert und auch ungewohnte Perspektiven mit ungewöhnlichen Kooperationspartner*innen erproben kann – deutschlandweit und über Landesgrenzen hinaus. Damit dies verlässlich fortgeführt werden kann, hat die Verstetigung einer Stelle momentan höchste Priorität für uns. 

Mögliche Szenarien eines Wandels in der politischen Landschaft in Mecklenburg-Vorpommern stellen uns zeitgleich mit dieser notwendigen Verstetigung vor neue Fragen. Kunst und Kultur sind öffentliche Felder, weil sie Sichtbarkeit erzeugen. Sie bringen Erfahrungen, Konflikte und Perspektiven ein und prägen, wie eine Gesellschaft sich selbst versteht. Es ist ein begehrliches Feld und die deutsch-deutsche Geschichte zeigt exemplarisch, wie schnell sich Dynamiken verändern. Kunst und Kultur sind umkämpft und daher anfällig für politische Einflussnahme durch Abwertung dessen, was sich vorgegebenen Erzählungen entzieht. Wie gelingt es also in der heutigen Zeit, eine unabhängige wissenschaftliche und künstlerische Institution langfristig mit öffentlichen Geldern abzusichern, wenn zeitgleich die eigenen Inhalte zunehmend in den Fokus der Politik geraten? Wenn sich die Notwendigkeit staatlicher Unterstützung und die unbedingte Forderung nach einem freien Handlungsrahmen überkreuzen? 

Natürlich könnte eine Institution vorsichtiger formulieren, Themen vermeiden oder Fragen auslassen, die Widerspruch hervorrufen. Eine solche Anpassung würde jedoch den Kern unserer Arbeit auflösen. Zeitgenössische Kunst und Kunsttheorie darf keine Angst vor dem noch Unbekannten haben – weder vor dessen Inhalten noch vor vielfältigen Urheber*innenschaften. Kunst entsteht durch Begegnung, Verschiebung, Übersetzung, Grenzüberschreitung und Veränderung. Sie lebt von Verflechtung und Reibung. 

Wir setzen unsere Arbeit also mit derselben Konsequenz fort, aus der heraus dieses Institut entstanden ist. Wir fördern Forscher*innen und Künstler*innen, die Perspektiven miteinander in Beziehung bringen, gerade auch die kontroversen und unbequemen. Wir unterstützen Positionen, die öffentliche Diskurse kritisch beobachten und mitprägen. Wir verstehen das nicht als Störung, sondern als integralen Bestandteil einer demokratischen Öffentlichkeit. Die Verantwortung gegenüber dem Namen Günther Ueckers bedeutet für uns, Kunst als eine Form des wilden Denkens zu verstehen, die die Menschen in ihrer Würde ernst nimmt und die Widersprüche der Gegenwart sichtbar macht. Ob es uns in zwei Jahren noch gibt, ist nicht sicher, wir arbeiten kompromisslos weiter, bis uns die Mittel oder der Handlungsspielraum ausbleiben. 

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„Angst essen Seele auf“
Kornelia Röder, Kuratorin, schaumagazin Schwerin 

Das Filmdrama Angst essen Seele auf (1974) von Rainer Werner Fassbinder zeigt eindrucksvoll, welche gesellschaftliche Kraft Zivilcourage entfalten kann. Sich nicht einschüchtern zu lassen, sich dem Anpassungsdruck zu widersetzen, gesellschaftliche Vorurteile nicht zu akzeptieren und Freiräume für ein selbstbestimmtes Leben zu behaupten – diese Werte wurden in der deutschen Kunst immer wieder verteidigt und werden auch künftig unverzichtbar bleiben.

Meinem Verständnis von Kunst zufolge besteht ihre wichtigste Aufgabe darin, die Freiheit des Geistes zu bewahren, sie immer wieder neu zu praktizieren und in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Diese Freiheit – unabhängig von den jeweiligen politischen Rahmenbedingungen – gehört zu den kostbarsten Errungenschaften menschlicher Zivilisation. Sie zu verteidigen, ist eine dauerhafte gesellschaftliche Aufgabe.

Ein Blick in die deutsche Geschichte macht deutlich, welche Folgen politische Einflussnahme, Zensur und Unterdrückung für das kulturelle Klima einer Gesellschaft haben können. Als Kunsthistorikerin fühle ich mich den Künstlerinnen und Künstlern verpflichtet, die unter diktatorischen Systemen Widerstand geleistet haben oder noch immer leisten. Meine kuratorische und wissenschaftliche Arbeit wird daher stets der Freiheit des Geistes verpflichtet sein – sowohl bei der Entwicklung eigener Projekte als auch bei der Förderung künstlerischer Positionen.

Die Freiheit der Kunst ist in Deutschland als unveräußerliches Grundrecht verankert. Diesen Wert gilt es mit Geist, Esprit, Innovationskraft, Witz und Humor zu verteidigen. Diskussion statt Verbot – dieses Prinzip sollte unser gesellschaftliches Handeln leiten.

Auch der Film Gelbe Briefe von Regisseur İlker Çatak, der die Geschichte eines gefeierten Künstlerehepaars in der Türkei erzählt, das unverschuldet ins Visier staatlicher Repression gerät, führt eindrucksvoll vor Augen, wie unterschiedlich Menschen auf politischen Druck reagieren – zwischen Anpassung und öffentlichem Widerstand.

Die Frage, warum die AfD gerade in Ostdeutschland so stark werden konnte, beschäftigt mich intensiv. Als in der DDR sozialisierte Kunsthistorikerin sind mir staatliche Einflussnahmen auf Kunst und Kultur nicht fremd. Zugleich weiß ich, welche schöpferischen Kräfte gerade unter restriktiven Bedingungen entstehen können. Weltweit finden sich dafür Beispiele – von Marina Abramović bis Ai Weiwei.

Auch in Deutschland haben Künstlerinnen wie Cornelia Schleime, Gabriele Stötzer oder Gundula Schulze Eldowy mit ihrer kompromisslosen Haltung Kunstgeschichte geschrieben. Ihre Werke sind heute in bedeutenden Museumssammlungen vertreten und werden in Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt. Sie sind keine bloßen Mahnmale, sondern lebendige Zeugnisse künstlerischen Widerstands, persönlicher Integrität und geistiger Unabhängigkeit. Auf diese Erfahrungen können sich Kunst- und Kulturschaffende auch künftig berufen.

Ich bin überzeugt, dass Zivilcourage und Mut wieder stärker zu prägenden gesellschaftlichen Werten werden müssen. Kunst- und Kulturschaffende – mich eingeschlossen – sollten sich ihrer Verantwortung ebenso bewusst sein wie der Kraft, die von Kunst ausgehen kann.

Für mich wird deshalb auch unter veränderten politischen Konstellationen nur eine Maxime gelten – jene, die im Grundgesetz unmissverständlich formuliert ist. Artikel 5 Absatz 3 lautet:

„Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“

Dieser Verfassungsartikel ist das Fundament einer offenen, demokratischen Gesellschaft und der Maßstab, an dem sich kulturpolitisches und künstlerisches Handeln messen lassen muss und zukünftig messen wird.

Newsletter 03

August 2026
Before the Elections – Solidarity

Not only in light of the state elections in Saxony-Anhalt on September 6 and in Mecklenburg-Vorpommern as well as Berlin on September 20, it is our concern to reflect on the current (cultural-)political situation beyond the dominant art centers. We wrote to numerous artists and institutional workers in the two federal states that polls suggest will soon face an AfD (Alternative für Deutschland) majority, asking them for statements about their daily experiences and potential expectations for the future. These were published unchanged, in the hope of sparking an open debate about the possibilities of alliance-building across scenes and positions, but also about strategies for dealing with seemingly unresolvable disagreements and conflicts. Attacks by the AfD on democratic society and culture, on artistic freedom and educational equity, on the right to migration and social inclusion are carried out daily and propagated in the party’s government program, either underestimated or explicitly supported by the conservative and liberal parties. Under what communicative conditions, and with what shared undertakings, can we counter this with a robust concept of solidarity capable of self-reflexive critique of power?

In both eastern states, wide-ranging networks of resistance have formed over the past year — in Saxony-Anhalt through a cross-sector alliance of large and small cultural institutions, in Mecklenburg-Vorpommern on a civil-society basis — that counter authoritarian, patriotic pressure with the idea and practice of an egalitarian commons. As we have learned, these are alliances of many individuals who defend the principle of a solidary society with a persistence, in some cases decades long, that has been overlooked by the art and culture sector. There are also (self-)organizations of vulnerable people, including migrant groups, who unfortunately do not appear here either, due to resource constraints.

It is the repressed, unprocessed, suppressed history of many (after 1949, after 1989) that continues to block dialogue. The resulting marking of enemies is well known to draw ever-wider circles and to profit from social division. We feel in ourselves the shock and outrage over the more or less perceptible and identifiable mechanisms of fascistisation wear people down / are deeply draining over time. The contributions in this newsletter are one of many attempts to escape this dynamic.

Thanks to Jeannette Brabenetz, art historian and curator living in Chemnitz and Berlin, as well as to Patrick Hinz, former editor-in-chief of KATAPULT MV, and Oliver Klimpel, head of the Curatorial Workshop at Bauhaus Dessau, for their support.

Contributions:

  • Christoph Knitter, artist in Rostock: Now More Than Ever!
  • Simon Baumgart, artist in Halle (Saale): A Means Without a Purpose
  • Susanne Gabler, artist in Wismar: What Can We Do Without in the Future?
  • Marita Tatari, professor at Burg Giebichenstein Academy of Art Halle: The Gap in Time – Art Under Disruptive Conditions
  • Else Gabriel, artist from Halberstadt, living in Berlin: Negotiating Content or Relationship Patterns?
  • Prof. Dr. Annegret Laabs, director of the Kunstmuseum Magdeburg: “Culture Is Diversity and Home”
  • Ina Gross-Bajohr, press spokesperson for “Zusammen bewegen”(‘Moving forward together’): Making Ourselves Heard Together
  • Olaf Wegewitz, artist in Huy-Neinstedt: the little stone in the sand
  • Dr. Katharina Neuburger, Günther Uecker Institute, Institute for Environment and Design, Schwerin: Art as a Form of Wild Thinking
  • Kornelia Röder, curator, schaumagazin Schwerin

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Now More Than Ever!
Christoph Knitter, artist in Rostock

For years now, hateful stickers in my neighborhood or on my studio mailbox, physical or verbal attacks on colleagues, confrontations with exhibition visitors, and de-escalating measures to protect my students have all been part of my everyday life. This worries me deeply, and I doubt I will ever really get used to it.

I often ask myself whether, after the elections, should the grim forecasts come true, I will still have enough strength to stand up for the people around me. My answer is: now more than ever!

My artistic work too — whether drawings, poster designs, or conceptual projects — has long been shaped by a clear stance against right-wing extremism. This certainly doesn’t please all my clients. But it doesn’t have to.

How the art and culture sector in Mecklenburg-Vorpommern will develop in the coming years is a great unknown to me. Which institutions will continue to receive funding? Which important grants will survive, and which will be cut? By what criteria will exhibitions be staffed? And what does all this mean for the creative scene in the state?

It will be all the more important to keep networking, to remain in solidarity, and to realize projects — if necessary — through our own strength or with our own resources.

Whether my own strength will hold out for this in the long run, I cannot say. Time will tell. Giving up is, in any case, not an option for me. Because one thing seems certain to me: “Art starves first, but it dies last.”

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A Means Without a Purpose
Simon Baumgart, artist in Halle (Saale)

I do genuinely believe in art as a means without a purpose.

Is it, at its conceptual core, anything fundamentally new when the AfD wants to force art into utility? In any case, uncomfortable questions arise for me about the freedom of art as we have claimed it until now. How does that freedom square with widespread social expectations that art fulfill a mandate, make a contribution, deliver added value?

But it is an escalation when the AfD wants to enshrine a national-patriotic purpose for art in Saxony-Anhalt at the state level, and make financial funding contingent on a commitment to that purpose.

Because I respect art and its purposelessness, all I can do is laugh about it. On the level of my own work, it hardly impresses me either. I would rather take on a paying job for the sake of my art’s purposelessness than sign identity clauses in funding applications, and I turn my apartment in Halle-Neustadt into an art space that upholds an un-German, non-identitarian, never national, but solidary art without purpose.

Perhaps that is also just the naivety of an idealist.

As an attack on the contemporary art scene in Saxony-Anhalt, it worries me. The AfD’s attack is symbolic politics, because its opponent is neither big nor powerful. There was never much to be won here from the art market, but (or because of that) a great deal of self-organization and collegiality. It is, for the most part, the artists themselves who carry the contemporary art scene here. State funding is therefore an important pillar.

What is coming, in the near future, for structures that are larger than the capacities of any individual, and for spaces that are bigger than our apartments and studios — spaces that art still needs?

What gives me hope is the solidarity I experience in the art scene. Perhaps we need to prepare to become more isolated institutionally, and I want to believe that we can also achieve a great deal through our own initiative. What I hope for most is that no artist stops working. We need even more art here.

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What Can We Do Without in the Future?
Susanne Gabler, artist in Wismar

In my daily life, I experience deep concern over the consequences that art and culture face as authoritarian and right-wing forces grow stronger.

A vote against liberal-democratic forces must be an emotional decision. Because it is too easy to refute logically. Supporting a party aligned this way means, for most people, voting against their own interests.

If this form of radicalism and opposition — even to one’s own detriment — functions as a kind of comfort, then our politics can only counter it by taking the underlying needs seriously.

I wish our politics enough time for open questions, resources to act, and the capacity to develop new, progressive concepts relevant to the times and the situation.

In my experience, these are the preconditions for something new to emerge, and this is how it happens in artists’ creative processes.

Participation is, among other things, part of my artistic work and can serve as a method. In doing so, I allow from the outset that I will not determine the work alone. I accept this in the certainty that all participants will share responsibility for the outcome.

Art and culture are not something extra — they are what we leave behind for coming generations. Every cultural achievement that now recedes into the background will show up as a loss in the future. We risk losing things like inspiration, vision, diversity, the will to authorship. All of these are potentials and preconditions of a free society. The question here is: what can we do without in the future?

I actively maintain my artistic space of influence through collaborations. What strengthens me is the sense of connection that grows out of them. In my format Word Art, I develop large-scale, highly condensed statements in situ — a kind of immediate poetry.

Building on this, new artistic formats have emerged since 2024, with a claim to free expression. These works take up the familiar by working with digital transmission and reproduction. Out of the search for approaches and an open eye toward social change, something new naturally emerges.

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The Gap in Time – Art Under Disruptive Conditions
Marita Tatari, Professor of Philosophy of Art and Cultural Theory at Burg Giebichenstein Academy of Art Halle, Fragments from her inaugural lecture, January 2025

“Democracy is thus characterized by the challenge of keeping the opening at the heart of the common open: open to those who are different, to difference, open to renegotiation, revision, transformation. What matters in it is bearing this opening together — as an ungrounded commons.

(…)

That is why the right to which the democratic institution refers can, in truth, only live ‘in a constantly active and renewed relationship to its own lack of foundation.’

(…)

Philosophy, by means of the concept, and art, by means of the sensible, are both attempts — each in its own way — to articulate, affirm, and share the opening of the commons, and thereby to keep it open between us.

(…)

Also ungrounded, by its own self-understanding, is the autonomy that many describe as the central concern of Western civilization: a self that determines itself only insofar as it relates reflexively to itself, and therefore simultaneously experiences itself as an other; a self that opens toward an other within itself.

(…)

… As much as the Occident — as it used to be called — strove for an opening toward the other within itself, it has at the same time never stopped eradicating, extinguishing, annihilating the other: in the colonies, in the extermination camps, in the gulags, and, extended planetarily, in the destruction of nature and habitat — an unstoppable history of domination reaching all the way to the endless consumption of the other in the techno-economic production of late capitalism…

(…)

The contemplation of art is the moment in which we expose ourselves to the opening of this coexistence. In this sense, our shared existence is at stake with art: our possibility of sharing a world.

(…)

This self-understanding has, however, begun to waver, and questions arise: Is the commons, as the West has thought it since the Enlightenment, the self-realization of humanity as freedom? Is history the progress of this self-realization? Is there a universal horizon for progress?

(…)

‘The Gap Between Past and Future’ is the title of an essay by Hannah Arendt. For her, the place of thinking lies between past and future. At the place where we stand, here and now, thinking gives rise to the gap in time — that is, an outside that interrupts the flow of time. Only out of this gap does time divide into past and future.

(…)

Modernity, and even postmodernity (despite its critique of modernity), both saw the break with tradition as the condition for emancipation. What distinguishes the present from other times is that this very schema is now fundamentally in question: we are stuck between past and future, without being able to draw on modernity’s narrative of progress.”

www.burg-halle.de/artikel/a/antrittsvorlesung-von-prof-marita-tatari-die-luecke-der-zeit-kunst-unter-disruptiven-bedingungen

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Negotiating Content or Relationship Patterns?
Else Gabriel, artist from Halberstadt, living in Berlin

Had I known that after I left in the autumn of 1989, the best of all social systems would collapse behind me, I would have slammed the door less angrily.

But I was angry.

The GDR was an endlessly long, poorly exposed film in which I sat trapped for 27 years.

Every one of my attempts to leave the scene before the credits rolled was denied or talked out of me — not least by Western visitors from the progressive ’68 milieu, who since the 1970s had been drifting in on day visas to Halberstadt, located in the border zone.

In the second half of the GDR’s existence, the roles between West and East were clearly assigned. 

Westerners = senders, Easterners = receivers.

Within their dysfunctional enclosure, the East Germans could offer back a still-glowing utopia. With their wealth of ideas in “making things a little nicer for themselves”, they also stoked something like campfire romanticism and a glorification of mutual dependence.

The upheaval of power in 1989 threw everything thoroughly into disarray — immediately and comprehensively in the East.

In the West, it is only now dawning on many that something was set in motion back then that concerns them, too, more than they’d like.

The euphoria — worldwide — after East Germans forced open the Wall raised enormous expectations on both sides. The time pressure of the unification process did the rest.

In the early 1990s there were numerous TV talk shows with East and West participants. I would watch and listen and regularly nearly fall off my chair laughing, because both sides spoke German with great earnestness, using the same vocabulary, but clearly meaning something quite different by it. Both sides seemed sincerely convinced they were speaking in a perfectly understandable way, and failed to notice they were operating on different semantic maps. Language is more than vocabulary and grammar! It always carries an additional set of rules that presupposes a shared horizon of experience in order to correctly place what is said.

Sure, German was the standard language in both the FRG and the GDR. But until 1989 the two belonged to different social systems that faced each other as mortal enemies, armed to the teeth, along the inner-German border! Naturally — as always happens between enemies — each side mirrored the other, and vice versa. But that decades of this had produced fundamentally different behavioral and linguistic norms, reflecting fundamentally different lived realities — wasn’t that obvious?

Why did no one think, in the course of these talk shows, to occasionally ask whether they were actually still negotiating content, or had long since shifted to negotiating relationship patterns? Then one could have clarified terms and, on a meta level, addressed how a given formulation was landing on the other side.

That never happened, not once!

I did find one book devoted to this subject: Ihr könnt uns einfach nicht verstehen. Warum Ost- und Westdeutsche aneinander vorbeireden [You Simply Can’t Understand Us: Why East and West Germans Talk Past Each Other] by Olaf Georg Klein, 2001, Eichborn Verlag. Surely, once that book appeared at the latest, communication scholars should have noticed that here lay a relevant field worth exploring further? But as far as I could find out, nothing followed.

To this day it remains a mystery to me.

It may seem like a minor detail … but in my assessment, this is the starting point for a chain of misunderstandings and clumsy fumblings, both verbal and practical, that have led us to the state elections in autumn 2026, which we now await with trepidation.

One cannot not communicate (Paul Watzlawick). But one can be too unimaginative, too incurious, too overwhelmed, or too certain of one’s own interpretive authority to factor in, during a conversation, either the assumptions or the background of the person across from you.

Usually it’s a mixture of all of these, and often, in such negotiations, there are also parties who benefit from the confusion. Because relational structures contain power imbalances.

(And wherever it is claimed that this has been recognized as a problem and resolved — special caution is warranted!)

Out of the many small, unnoticed, or brushed-aside micro-blunders, paired with a cross-party politics that can think of nothing but “more of the same” — which never worked before either — a “Big Ball of Mud” emerged. The “big ball of mud” is actually a term from computer science for a program with no discernible software architecture. Something like this develops over long periods through countless, no-longer-traceable botched fixes that solve an acute problem in the short term but eventually bring the whole program to a standstill.

It can be untangled. But only step by step, and with pauses, so as not to overlook possible consequences that may surface somewhere unexpected.

And: you get your hands dirty doing it, and it takes time.

But before that, every single person must decide: Do I insist on being right? Or do I want to achieve something?

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Culture Is Diversity and Home
Prof. Dr. Annegret Laabs, director of the Kunstmuseum Magdeburg, spokesperson for the initiative “Kultur ist Vielfalt und Heimat” (‘Culture is diversity and home’)

In May 2026, we founded the initiative “Kultur ist Vielfalt und Heimat” in the state of Saxony-Anhalt, which states very clearly, in a public statement, the position we hold as cultural organizers and artists: that going forward, we can imagine nothing other than continuing to offer our programs for an open and pluralistic society, in a state where artistic freedom applies as guaranteed under Article 5, Paragraph 3, Clause 1 of the Constitution (Grundgesetz). Just how important it is to raise awareness of this was shown to us not only by the draft of the so-called government program, but also by a legislative initiative from the AfD parliamentary group in the state legislature — which members of parliament from every other parties firmly opposed — that sought to make state funding available in the future only to cultural institutions willing to declare a “commitment to German national culture,” whatever that is supposed to mean. That the AfD’s demand for “thinking German” doesn’t work in any cultural discipline hardly needs stating here. In the ongoing debates, people keep returning to the network’s arguments, because by now the entire cultural sector in Saxony-Anhalt has rallied behind the statement. All the major cultural institutions in the state — theaters, museums, foundations, and memorial sites — along with many advocacy groups, such as the state heimat association, the professional association of visual artists, the museum association, and the state music council, have joined. From the outset, it was important to us to include the smaller cultural initiators as well — socio-cultural organizations, all independent initiatives, and individuals — because all of these actors create spaces of encounter and keep our society open, diverse, and worth living in — they create a sense of home.

Thanks to the reach of the network, which now extends across the entire state, it has become possible to warn against a development that fundamentally challenges artistic freedom, the openness of cultural institutions, and a democratically anchored culture of remembrance. Many events — those planned by the network itself, but also those organized locally in municipalities and villages, in individual institutions, with great commitment — provide information about right-wing populism and its effects. Beyond this outreach to society and politics, the goal above all is to demonstrate the cohesion of culture in the state, to resist any form of usurpation, to work into society, and to support one another as well as visitors. Cultural actors in the state are, right now, speaking their minds very clearly as part of civil society. Artists appear at almost every demonstration, theaters are launching political programs, and museums and libraries are making their spaces available for free democratic debate.

The immense cohesion of culture in Saxony-Anhalt has by now drawn the attention not only of the German Cultural Council and the German Association of Cities and Municipalities, but many cultural institutions across the entire country have also offered their support and/or joined the statement.

The full statement and its signatories can be found at: www.kulurvielfaltheimat.de

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Making Ourselves Heard Together 
Ina Gross-Bajohr (press spokesperson) on the network “Zusammen bewegen” in Mecklenburg-Vorpommern

CC_: In 2025 you began building what has since become a large civil-society network in Mecklenburg-Vorpommern, “Zusammen bewegen” (‘Moving Forward Together’). You want to bring people together once again and strengthen mutual support, encounter, justice, and diversity. What motivated you not to act from a defensive posture — against authoritarianism or the AfD?

Ina Gross-Bajohr: “Zusammen bewegen” wants to make visible what democratic civil society in Mecklenburg-Vorpommern stands for: cohesion, human dignity, and the conviction that we can only solve the challenges facing our state together.

Our approach is to bring people into conversation with one another, to network engagement, and to give people courage to take responsibility themselves. “Zusammen bewegen” grew out of this idea: already in 2025, numerous initiatives in Mecklenburg-Vorpommern were discussing how to visibly pool their strength. Then, in January 2026, the alliance officially launched. Today, “Zusammen bewegen” connects more than 1,000 people and organizations statewide, showing just how much constructive engagement already exists in Mecklenburg-Vorpommern.

CC_: Unlike in Saxony-Anhalt, where many cultural initiatives have joined forces to defend artistic freedom, you are pursuing a broad civil-society alliance. Why? Who can “Zusammen bewegen” activate? And how do you assess the alliance’s first year and a half?

Ina Gross-Bajohr: The challenges in Mecklenburg-Vorpommern affect every area of social life — from culture to social infrastructure to municipal public services. That’s why we deliberately chose a broad alliance drawn from the heart of civil society. Today, “Zusammen bewegen” brings together people from associations, church congregations, trade unions, social welfare organizations, environmental initiatives, cultural projects, and many other organizations. This diversity of perspectives and experiences is one of the alliance’s great strengths.

As a broadly based alliance, we offer people from very different areas of life a strong basis for identification. Our goal is to reach as many people as possible in Mecklenburg-Vorpommern and to make clear that, despite our different backgrounds, we share very similar hopes for a solidary and just way of living together.

CC_: “Zusammen bewegen” coordinates decentralized activities statewide, from film screenings to cooking clubs to harbor festivals. What forces come into play here to overcome not just isolation, but also the formation of camps, the marking of enemies, and fear?

Ina Gross-Bajohr: The diversity of our activities is not accidental. Whether it’s a film screening, a cooking club, or a harbor festival — all of these formats create low-threshold occasions where people get talking who otherwise wouldn’t meet. We deliberately combine many events with conversational formats such as “Klönschnack” chats, the mobile “Gabieis” ice cream bus, or the Wish Visualization Machine.

This is how we learn what worries people, what they wish for their community or region, and what solutions they expect from politics. We document these concerns and carry them into political debate — through conversations with political decision-makers, position papers, and public actions. In this way, people experience that they are not alone with their concerns, and that they can make themselves heard together. This strengthens trust in the power of democracy.

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the little stone in the sand
Olaf Wegewitz, artist in Huy-Neinstedt

an ugly word comes ashore

“Zeitenwende” (‘turning point’)!

Where is the tide of the times turning? Blindly backward! There I find myself again — in the exhibition with the dubious title “Revolutionary Romances.”

We are exposed to omens! The artist’s book “UNAULUTU,” made by Frieder Heinze and me, is shown in a display case at the Albertinum in 2024, accompanied by a defamatory note. I feel the shabby, dangerous breath of the past rising like a genie from the bottle out of curators’ minds and hardening into solid ideology. I am speechless, and I remember things past, things I believed gone. My engagement, in the late 1970s, with the ideas of Karl Max Kober on abstract art in the journal Bildende Kunst. Exclusion, because people either don’t want the content, or need material to illustrate their own ideologized thinking. I turn to Hilke Wagner and to the print department (Kupferstich-Kabinett). “Why is an artwork created in the GDR state, dedicated to an Indigenous South American culture, being linked to some kind of colonial, imperialist appropriation by the GDR leadership? Why should we have followed any models from the past, or the Western reception of Indigenous cultures?” The accusations contradicted our intentions. This could have been learned from the image and text in the book itself. The answer is watery, evasive; the note is removed, and the conversation about the matter still hasn’t happened.We were searching for what connects cultures, not what divides them, and today we find ourselves back in yesterday. Is some secret zeitgeist from history luring back old practices in dealing with art? What is being prepared, and whom are people holding the ideological stirrups for? We talk, at the Kunstverein Röderhof, about the AfD Saxony-Anhalt’s cultural-ideological program. Will it turn völkisch before our eyes, with divisive thinking taking hold in people’s minds! From experience, I know that art can resist, and that it can counter divisive thinking with its own unity — a connective thinking and feeling in word, image, and sound

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Art as a Form of Wild Thinking
Dr. Katharina Neuburger, Scientific Director of the Günther Uecker Institute, Institute for Environment and Design, Schwerin

The Günther Uecker Institute | Institute for Environment and Design (GUI | IUG) in Schwerin is an independent cultural institution organized as a registered association. It bears the name of a figure whose work and thinking continue to offer orientation today. Günther Uecker was a deeply humanist artist, and radical in that humanism. His artistic work was shaped by the conviction that art carries social responsibility. His works engage with memory and reconciliation, violence and peace, vulnerability and human dignity. For our institute, this is far more than a legacy we can simply invoke. It forms the very standard of our self-understanding.

As a dual institute, the GUI | IUG combines two areas of work. The Günther Uecker Institute funds and publishes research in art and cultural studies, taking as its starting point the work of our namesake, with a focus on German post-war avant-garde. The Institute for Environment and Design is internationally oriented and understands artistic research as an independent form of knowledge production. We initiate interdisciplinary projects that examine German-German experiences, social change, and contemporary questions in a dialogue between art, science, and the public, and that make these translatable to global phenomena today. Both areas are united by the conviction that artistic, cultural, and scientific work can and must make social processes visible and help shape them.

As a registered association, our work has so far been able to operate with particular freedom. We have grown organically and been able to develop step by step. Our structure, whose core task is supporting young researchers and artists, provides the freedom that is indispensable for research and art. At the same time, it has allowed us — with our limited means and external funding — to build an extremely agile and reliable institution that, starting from Schwerin, has an international orientation and can test unfamiliar perspectives together with unusual partners, both across Germany and beyond its borders. To ensure this can continue reliably, making one position permanent is currently our highest priority.

Possible scenarios for political change in Mecklenburg-Vorpommern confront us with new questions at the very same time as this necessary process of consolidation. Art and culture are public fields, because they generate visibility. They bring in experiences, conflicts, and perspectives, and shape how a society understands itself. It is a field that is coveted, and German-German history shows, in exemplary fashion, how quickly dynamics can shift. Art and culture are contested, and therefore vulnerable to political influence through the devaluation of whatever escapes prescribed narratives. So how, in this day and age, can an independent scientific and artistic institution secure long-term public funding when, at the same time, its own content increasingly comes under political scrutiny? When the necessity of state support and the unconditional demand for a free framework for action come into conflict?

Of course, an institution could formulate things more cautiously, avoid certain themes, or leave out questions that provoke objection. But such an adaptation would dissolve the very core of our work. Contemporary art and art theory must not be afraid of the still unknown — neither of its content nor of its diverse authorships. Art arises through encounter, displacement, translation, boundary-crossing, and change. It lives on interweaving and friction.

So we continue our work with the same consistency from which this institute arose. We support researchers and artists who bring perspectives into relation with one another — especially the controversial and uncomfortable ones. We support positions that critically observe and help shape public discourse. We do not understand this as a disturbance, but as an integral part of a democratic public sphere. Our responsibility to the name Günther Uecker means, for us, understanding art as a form of wild thinking — one that takes people seriously in their dignity and makes visible the contradictions of the present. Whether we will still exist in two years is uncertain. We will keep working without compromise until our means or our room for action run out.

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“Fear Eats the Soul”
Kornelia Röder, curator, schaumagazin Schwerin

Rainer Werner Fassbinder’s film drama Fear Eats the Soul (1974) shows, powerfully, what social force civil courage can unleash. Refusing to be intimidated, resisting the pressure to conform, refusing to accept social prejudice, and asserting spaces for a self-determined life — these values have repeatedly been defended in German art and will remain indispensable in the future as well.

In my understanding of art, its most important task is to preserve freedom of thought, to keep practicing it anew, and to bring it into public discourse. This freedom — independent of the particular political conditions of the moment — is one of the most precious achievements of human civilization. Defending it is a permanent social task.

A look at German history makes clear what consequences political influence, censorship, and repression can have on a society’s cultural climate. As an art historian, I feel a commitment to those artists who resisted, or still resist, dictatorial systems. My curatorial and academic work will therefore always remain committed to freedom of thought — both in developing my own projects and in supporting artistic positions.

Artistic freedom is enshrined in Germany as an inalienable fundamental right. This value must be defended with spirit, wit, innovative energy, and humor. Discussion instead of prohibition — this principle should guide our conduct as a society.

The film Yellow Letters, by director İlker Çatak, which tells the story of a celebrated artist couple in Turkey who become targets of state repression through no fault of their own, also demonstrates powerfully how differently people respond to political pressure — between conformity and public resistance.

The question of why the AfD has become so strong specifically in eastern Germany occupies me intensely. As an art historian socialized in the GDR, state influence on art and culture is not foreign to me. At the same time, I know what creative forces can emerge precisely under restrictive conditions. Examples of this can be found worldwide — from Marina Abramović to Ai Weiwei.

In Germany too, artists such as Cornelia Schleime, Gabriele Stötzer, and Gundula Schulze Eldowy have written art history through their uncompromising stances. Their works are now held in major museum collections and shown in exhibitions at home and abroad. They are not mere monuments, but living testimonies of artistic resistance, personal integrity, and intellectual independence. Art and cultural workers can continue to draw on these experiences going forward.

I am convinced that civil courage and bravery must once again become more defining social values. Art and cultural workers — myself included — should be as aware of our responsibility as we are of the power that art can wield.

For me, then, only one maxim will apply even under changed political circumstances — the one stated unambiguously in the Constitution (Grundgesetz). Article 5, Paragraph 3, reads:

“Art and science, research and teaching, shall be free.”

This constitutional article is the foundation of an open, democratic society, and the standard by which cultural-political and artistic action must be measured — and will continue to be measured — in the future.